ORF-Silvesteransprache von Kardinal Christoph Schönborn

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Kardinal Schönborn: Klimakrise „größte Herausforderung“
Kardinal Christoph Schönborn hat die Bedrohung durch den Klimawandel ins Zentrum seiner traditionellen Silvesteransprache gestellt. Für das kommende Jahrzehnt und darüber hinaus sei der Klimawandel „die ganz große Herausforderung“, sagte er am Dienstag in seiner Rede. Der Wiener Erzbischof forderte die Politik zum Handeln auf, „denn es geht um uns alle“, sagte er.

“Es war heuer 50 Jahre her, dass zum ersten Mal ein Mensch den Mond betreten hat, am 20./21.Juli 1969. Das Ereignis hat alle Menschen damals zutiefst beeindruckt. Mir ist ein Bild ganz besonders in Erinnerung: wie die Astronauten die Erde über dem Monat haben aufgehen sehen. Und zum ersten Mal sahen Menschen aus dieser Entfernung unseren wunderschönen, blauweißen Planeten in seiner ganzen Zartheit, aber auch Zerbrechlichkeit.
Klimaänderungen der letzten 50 Jahre

Seither sind 50 Jahre vergangen, es hat sich viel geändert. Auf den Bildern aus dem Weltall sieht man diese Veränderungen: Die Polarkappen schmelzen, riesige Brände, katastrophale Wirbelstürme, der Klimawandel. Und in den 50 Jahren ist die Weltbevölkerung praktisch um das Doppelte gewachsen.

Deshalb ist für das kommende Jahrzehnt und darüber hinaus der Klimawandel die ganz große Herausforderung. Zweifellos ist die Politik gefordert, denn es geht um uns alle. Es geht um die Zukunft unseres Planeten. Wir sind uns bewusst geworden durch diese wunderbaren Bilder aus dem Weltall, dass dieses „Raumschiff Erde“ unsere Heimat ist. So, wie es der Heilige Franziskus im Sonnengesang gesagt hat: „unsere Mutter Erde“, die uns trägt und nährt.
Ausblick auf das kommende Jahrzehnt

Wie wird das kommende Jahrzehnt aussehen? Gehen wir auf Katastrophen zu? Ich empfinde oft – und ich denke, es geht vielen so – eine große Ohnmacht. Wie wird es weitergehen? Oder: Vielleicht wird es gar nicht so schlimm sein, wie manche meinen, um uns zu beschwichtigen?

Was können wir einzelne tun? Ich möchte drei einfache Dinge nennen, die wir tun können, jeder für sich und gemeinsam.

Das Erste: Nichts ist selbstverständlich. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir genügend Wasser haben, dass wir Luft haben, dass der Regen zu rechten Zeit kommt. Das sind alles Geschenke des Schöpfers, für die wir nichts getan haben.

Zweitens: Dankbarkeit. Es ist nicht selbstverständlich, dass uns das alles zur Verfügung steht. Deshalb ist die Dankbarkeit die Art und Weise, wie wir mit unseren Ressourcen behutsam, verantwortungsvoll umgehen. Ich schlage zum Beispiel vor, dass wir den Gebrauch des Wassers, das wir genügend haben in Österreich, bewusst wahrnehmen – wie kostbar diese Ressource ist.

Und schließlich und letztens: Ich liebe besonders ein Kirchenlied. Dort heißt es: „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh’, mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.“ Wenn wir uns als Gäste auf unserer Erde benehmen, dann werden auch kommende Generationen auf dieser Erde Heimat haben können.

Es liegt auch in unserer Hand – ganz persönlich.

Ein gesegnetes Jahr 2020.”