Altbischof Paul Iby wird 85

Eisenstädter Altbischof Iby wird 85

Eisenstädter Altbischof Paul Iby
Paul Iby stand von 1993 bis 2010 der Diözese Eisenstadt vor – Segenswünsche von Papst Franziskus
Eisenstadt, 21.01.2020 (KAP) Der emeritierte Eisenstädter Bischof Paul Iby feiert am kommenden Donnerstag seinen 85. Geburtstag. Er stand von 1993 bis 2010 der katholischen Kirche im Burgenland vor. Eine offizielle Feier der Diözese ist zum Geburtstag nicht geplant, dieser wurde bereits am vergangenen Martinifest (11. November) im Eisenstädter Dom gebührend vorgefeiert. Iby stand dem Festgottesdienst vor, mit dem auch das Jubiläumsjahr „60 Jahre Diözese Eisenstadt“ eröffnet wurde. Der Altbischof beging dabei zugleich auch sein Diamantenes Priesterjubiläum (Priesterweihe vor 60 Jahren).

Der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics verlas dabei im Martinsdom vor Hunderten Gläubigen Segenswünsche von Papst Franziskus an Paul Iby und verband sie mit der Hoffnung, dass sein Vorgänger „Wegweiser und Fürsprecher“ für die Kirche im östlichsten Bundesland sein möge.

Paul Iby kam am 23. Jänner 1935 als zweiter von drei Söhnen eines Kleinlandwirte-Ehepaares im mittelburgenländischen Raiding zur Welt. Nach seiner Priesterweihe 1959 und Kaplansjahren in Eisenstadt wurde er Zeremoniär des Administrators und späteren ersten Bischofs von Eisenstadt, Stephan Laszlo, sowie nach seiner Promotion 1967 an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom zu einem Thema aus dem Bereich des Kanonischen Rechts auch Laszlos Sekretär.

Ab seiner Ernennung zum Eisenstädter Caritasdirektor begleitete Iby das geflügelte Wort „Ubi Iby – ibi Caritas“ („Wo Iby ist, da ist die Caritas“). Iby war zudem Schulamtsleiter, Ordinariatskanzler und ab 1984 auch Generalvikar, ehe er am 28. Dezember 1992 von Papst Johannes Paul II. als Lazlos Nachfolger zum Eisenstädter Diözesanbischof ernannt wurde. Die Bischofsweihe in Eisenstadt folgte am 24. Jänner 1993, sein Wahlspruch war „Omnia in caritate“ („Alles in Liebe“).

Der Aufbau lebendiger Pfarrgemeinden, verstärkte Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien, die Ökumene, die Sorge um die Volksgruppen im Burgenland und die Stärkung des Bildungsauftrages der Kirche wurden zu zentralen Anliegen Ibys in seiner Bischofszeit. So engagierte er sich u.a. für konfessionelle Schulen und die Religionslehrerausbildung, errichtete die diözesane Frauenkommission und installierte den diözesanen Ombudsmann.

Vom Jugendkonzil zum Dialog für das Burgenland

Iby versuchte, ein Zugehen der Kirche auf die Menschen möglichst ohne Barrieren zu verwirklichen. Zu den prägenden Momenten seiner 18-jährigen Amtszeit zählten Foren wie das Jugendkonzil im Jahr 1997 und der 1999 vom Eisenstädter Bischof initiierte „Dialog für Burgenland“.

Weitere Höhepunkte waren die Erhebung der Wallfahrtskirche von Loretto zur „Basilica minor“, die umfassende Renovierung des Martinsdoms in Eisenstadt sowie der Ausbau des „Hauses der Begegnung“ zum zeitgemäßen Bildungshaus der Diözese. Ein besonderer Tag der Freude für die Diözese Eisenstadt war die Seligsprechung von Ladislaus Batthyany-Strattmann (1870-1931) am 23. März 2003 durch Johannes Paul II. in Rom.

Zu den dunkelsten Tagen und Wochen in Ibys Jahren als aktiver Bischof gehört die Zeit nach dem tödlichen Rohrbomben-Attentat in der Oberwarter Romasiedlung im Februar 1995. Nach dem Anschlag, bei dem vier Menschen ermordet wurden, stärkte Iby die kirchliche Pastoral für die Roma und setzte etwa einen eigenen Romaseelsorger ein.

„72 Stunden“ und die Jugendbriefe

In der Österreichischen Bischofskonferenz war Paul Iby von 1995 bis 2003 „Jugendbischof“ und in den österreichweiten „Dialog X“ eingebunden, woraus die bis heute erfolgreiche Sozialaktion „72 Stunden ohne Kompromiss“ erwuchs. Es folgten zwei in der Öffentlichkeit sehr beachtete Jugendbriefe, in denen Themen wie Frau in der Kirche, Zölibat, wiederverheiratete Geschiedene, Liebe und Sexualmoral der Kirche zur Sprache kamen. Iby nahm auch an den katholischen Weltjugendtagen in Paris, Rom und Toronto teil.

Von 1994 an fungierte Iby drei Jahre lang als erster „Umweltbischof“ Österreichs. Darüber hinaus war er in der Bischofskonferenz für den Katholischen Laienrat und die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände sowie für die Seelsorge an der Volksgruppe der Roma und Sinti zuständig.

Im Juli 2010 nahm Papst Benedikt XVI. das aus Altersgründen vorgebrachte Rücktrittsgesuch Ibys an. Bis zur Amtsübernahme durch seinen Nachfolger auf dem Eisenstädter Bischofsstuhl, Ägidius Zsifkovics im September, leitete Iby die Diözese als Apostolischer Administrator. Heute lebt Iby in unmittelbarer Nähe zum Eisenstädter Martinsdom und ist als Priester und Seelsorger nach wie vor in den burgenländischen Pfarren aktiv.