Bischof Gaillot wird 75

Amtsenthobener Bischof Gaillot wird 75

Als Jacques Gaillot 1995 in Evreux seinen Abschiedsgottesdienst feierte, war die Stadt in der Normandie im Ausnahmezustand. Katholiken aus ganz Frankreich und dem Ausland waren gekommen, um den vom Vatikan amtsenthobenen Bischof zu verabschieden. Inzwischen ist es stiller um den Oberhirten geworden.

Gaillot sorgte in den 80er und 90er Jahren als „Enfant terrible“ der Französischen Bischofskonferenz für Aufsehen sorgte. Am Samstag wird Jacques Gaillot 75 Jahre alt. Papst Johannes Paul II. enthob Gaillot am 13. Januar 1995 seines Amtes als Bischof von Evreux und ernannte ihn zum Titularbischof des im fünften Jahrhundert untergegangenen Bistums Partenia. Das „Schwarze Schaf“ unter den französischen Bischöfen hatte in den Augen des Vatikan die Grenzen zu oft überschritten. Die ungewohnte und harte Maßnahme löste Proteste im In- und Ausland aus. Gaillot warnte damals vor einer „Kirche des Ausschließens“ und plädierte für eine „Kirche der Ausgeschlossenen“. Bei aller Kritik am Vatikan aber wandte sich der umstrittene Bischof gegen eine Abkehr von der Kirche. „Geben wir ihr eine Zukunft, jeder auf seine Weise“, sagte er in seiner Abschiedspredigt.

Schon lange vor der Amtsenthebung hatte es Reibereien zwischen Gaillot und seinen Mitbrüdern gegeben. Der kleingewachsene und schmächtige Mann mit der Metallbrille eckte regelmäßig in den 80er Jahren in TV-Auftritten an, als er den Zölibat oder die Haltung der Kirche zu Homosexualität, Aids oder zu Frankreichs nuklearer Abschreckung kritisierte.

Im Interview des Männermagazins „Lui“ nannte er Geschlechtsverkehr „großartig und schön“. Und in einem Beitrag für eine französische Homosexuellen-Zeitschrift schrieb er: „Homosexuelle werden uns im Himmel vorausgehen.“ 1989 erreichte der Streit den Höhepunkt: Gaillot legte zwar ein Treuebekenntnis zu Papst und kirchlicher Lehre ab. Doch schon wenige Wochen später kam es erneut zu Medienauftritten, in denen der Bischof mit Kritik nicht sparte.

Gaillot wird als „Bischof der Ausgeschlossenen“ bekannt
Auch wenn es stiller um ihn geworden ist – Gaillot blieb als „Bischof der Ausgeschlossenen“ bekannt. In Frankreich kämpfte er nach seiner Amtsenthebung in verschiedenen Initiativen für die Rechte von Arbeitslosen, Obdachlosen und illegalen Ausländern. Gelegentlich wurde er als Vermittler angerufen, etwa wenn illegale Ausländer mit den Behörden über Bleiberechte stritten. Über das Land hinaus bemüht er sich um Frieden und Versöhnung. Aufsehen erregte etwa eine Irak-Reise kurz vor Beginn des Krieges im März 2004.

Gaillot, der das Bistum Evreux von 1982 bis 1995 leitete, konnte auch nach seiner Amtsenthebung nicht wirklich mit seinen französischen Amtsbrüdern Frieden schließen. 2000 kam es zwar zu Gesten der Versöhnung mit dem damaligen Bischofskonferenz-Vorsitzenden, Kardinal Louis-Marie Bille. Doch außer der Versicherung, Brüder zu bleiben und in der Kirche geeint zu sein, folgten daraus kaum praktische Konsequenzen. In Kirchenkreisen hieß es, Gaillot habe bald danach abermals seine Mitbrüder mit unfreundlichen Bemerkungen verärgert.

„Die Kirche ist meine Familie“
So blieb er einer breiten Öffentlichkeit vor allem im Internet präsent. Er gründete die „erste virtuelle Diözese“, die unter www.partenia.org ein Jahr nach seiner Amtsenthebung zunächst in französischer Sprache und ein weiteres Jahr danach unter anderem auch auf Deutsch online ging. „Spannende und harte Jahre“ nannte Gaillot dort die Jahre seit seiner Amtsenthebung. Weiter erklärte er: „Die Kirche ist meine Familie.“

Jetzt, mehr als 14 Jahre nach Gründung seiner virtuellen Diözese, zieht sich Gaillot auch dort zurück. 75 Jahre – das ist für Diözesanbischöfe nach Kirchenrecht das Alter, in dem sie ihren Rücktritt einreichen müssen. Der Bischof ohne festes Bistum reichte im Internet diesen Sommer auch für www.partenia.org seinen Rücktritt ein. „Es ist Zeit für eine Stabübergabe“, schrieb er unter Verweis auf seinen bevorstehenden Geburtstag.
(Christoph Lennert / kna / domradio)

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