Die Zeit nach dem II. Vatikanischen Konzil – Bischof Schoiswohl

interessant, wie Bischof Schoiswohl vor 44 Jahren von Kirche gesprochen hat. da dies m. e. noch immer höchst aktuell ist, hier die zusammenfassung:

Kathpress /  Inland

Bischof Schoiswohl sprach im Festvortrag der Martinsfeier in Eisenstadt über die Kirche der Zukunft – Anstelle des ”bedingungslosen Gehorsams und der Gängelbandmethoden wird die Kollegialität auf allen kirchlichen Ebenen treten, der Abbau des weltlichen Herrschaftsstiles, von Hofhaltung und Byzantinismus

Eisenstadt 14.11.1966

Die katholische Kirche im Burgenland beging ~  in Verbindung mit dem Jubiläum Bischof Laszlos ~ durch eine Feier im Eisenstädter Schloss auf festliche Weise den Tag des burgenländischen Landespatrons, des hl. Martins.

Der Grazer Bischof Schoiswohl beschäftigte sich dabei in seinem Festvortrag auf Grund der Aussagen der Theologie der Gegenwart und des Zweiten Vatikanischen Konzils mit den Strukturen der Kirche der Zukunft. Dabei unterstrich der Bischof mit Nachdruck, dass die Kirche wesentlich brüderliche Gemeinde zu sein habe. In der Kirche der Zukunft werde die Gemeinschaftsstruktur stärker hervortreten und das Leben der Gläubigen bestimmen”

Der Vortragende sprach sich in diesem Zusammenhang für die Vermenschlichung der gottesdienstlichen Atmosphäre aus.

Er bemerkte, dass ein “Plauscherl” in den Bänken vor Beginn des Gottesdienstes mehr den Gemeinschaftscharakter und die christliche Freundlichkeit zum Ausdruck bringe als die Abschließung von den anderen auf Grund einer individualistischen Frömmigkeitsauffassung. Mit Bedauern stellte er fest, dass in der Gegenwart der Christ ein “privatisierender Christ” geworden ist, der in erster Linie sein individuelles Heil sucht und dabei glaubt, die christliche Norm zu erfüllen. In der Kirche der Zukunft werde sich jeder Getaufte, der den anderen nicht zu Hilfe kommt und nicht die Gesinnung der Brüderlichkeit aufbringt, von selbst außerhalb der Gemeinde stellen.

In der Kirche der Zukunft habe der Paternalismus, der kennzeichnend für den Autoritätsstil der Kirche der Vergangenheit war, keinen Platz mehr. Anstelle des bedingungslosen Gehorsams und der Gängelbandmethoden werde die Kollegialität treten. Sie dürfe nicht bloß das Verhältnis zwischen Papst und Bischöfen bestimmen, sondern müsse auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens zur Geltung gebracht und angewendet werden. Das Kennzeichen aller kirchlichen Gemeinschaften müsse die Brüderlichkeit sein.

Die Einfachheit bezeichnete Bischof Schoiswohl als ein wichtiges Merkmal der Kirche der Zukunft. Einfachheit und Dienst bedingten einander gegenseitig, daher sei es notwendig, in der Kirche einen weltlichen Herrschaftsstil, Hofhaltung und Byzantinismus abzubauen. Dienstgesinnung und Einfachheit müssten ergänzt werden durch die Vermenschlichung aller kirchlichen Lebensäußerungen und durch neue Formen der Begegnung.

Besonders unterstrich der Bischof, dass in der Kirche der Zukunft die Gläubigen für ihr Weltwirken von der kirchlichen Autorität keine kirchlichen Weisungen erwarten dürfen, sondern auch auf Grund der Freiheit, die sie als Christen genießen, und auf Grund ihres mündigen Gewissens in der Welt zu wirken und sich zu bewähren haben. Die Diasporasituation erfordere eine zeitgemäße Seelsorge, das Zeugnis der Gläubigen in den weltlichen Bereichen und den Dialog mit allen Menschen. Dabei müssten die Christen beachten, dass sie mit dem Partner auf gleicher Ebene stehen; mit Belehrung sei es nicht getan. Jeder Partner sei im Dialog der Wahrheit verpflichtet und müsse bereit sein, sogar Korrekturen an eigenen Denkmodellen vorzunehmen.

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