GOTTESDIENSTORDNUNG
FÜR DEZEMBER

Impulse für den Advent

Ostersonntag-Predigt von Pfarrer Dietmar Dominik Stipsits

Liebe ChristInnen!

„Wer am Lebendigen seine Freude hat, wird selbst lebendig.“ So heißt es in einem Lied aus dem zweiten christlichen Jahrhundert. Heute, an Ostern, feiern wir den Auferstandenen, den Lebendigen, wir freuen uns an ihm, wir singen ihm, und das wirkt belebend auf uns. Ich hoffe und wünsche es uns!

Unter uns Menschen beobachte ich Ähnliches. Da ist ein junges Ehepaar, die beiden wollen Kinder, aber es klappt einfach nicht. Das ist für sie ein großer Kummer. Aber auch die Eltern der beiden leiden mit, man sieht es ihnen direkt an, wie sie das bedrückt, niederdrückt. Und Druck ist für das Leben nicht förderlich. Doch, dann geschieht es: Nach langer Zeit des Wartens wird die junge Frau schwanger, sie bringt ein gesundes Kind zur Welt. Opa‘s und Oma‘s blühen zusammen mit den glücklichen Eltern sichtlich auf, sie haben eine Freude an dem Neugeborenen, sie sind wie verwandelt.

„Wer am Lebendigen seine Freude hat, wird selbst lebendig.“ Wer nur auf das Tote, das Dunkle, das Negative starrt, wer durch die Augen nur das in sich aufnimmt, nimmt sich selbst Leben weg, schränkt sein Leben ein, verliert seine Lebendigkeit.

Heute an Ostern wende ich meinen Blick auf den Auferstandenen, um mich von ihm beleben zu lassen. Wie das genauer geht, zeigt mir eine Frau, Maria von Magdala. Sie zeigt mir den Weg, wie ich zum Auferstandenen finde und damit zur Freude und zum Leben komme. Maria von Magdala kam frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab. Es ist also dunkel um sie herum, und es ist auch dunkel in ihr. Der Tod Jesu am Kreuz hat sie total erschüttert, hat ihr den Sinn des Lebens genommen. Es war die Katastrophe für sie.

Noch in der Nacht macht sie sich auf den Weg, noch im Dunkeln bewegt sie sich in Richtung Grab, in Richtung Jesus. Sie lässt sich vom Dunkeln nicht gefangen nehmen, lässt sich nicht lähmen, sondern sie bricht auf, sie sucht Jesus, sucht den, den sie verloren hat, sucht diesen Jesus, der für sie fort ist, tot ist.

Auf der Suche nach Jesus lässt sich Maria von Magdala nicht irritieren. Sie sieht, das Grab ist leer, die Tücher liegen schön zusammengefaltet da, sie weiß nicht, was das zu bedeuten hat. Die beiden Jünger gehen wieder zurück in die Stadt, nach diesem Befund. Sie bleibt. Sie sucht weiter, fragt weiter, lässt nicht nach.

Für mich ist das ein Hinweis: Im Dunkel des Glaubens, im Zweifel an Jesus und auch im Dunkel so mancher angstmachenden Lebenssituationen soll ich nicht resignieren, sondern soll ich mich bewegen. Sonst halten diese negativen Mächte mich gefangen und rauben mir ein Stück Leben, schränken meine Lebendigkeit ein. Gerade dann, wenn ich meine: Es ist alles zu Ende, fängt doch die Hoffnung neu an, sagt mir diese Maria von Magdalena. Ihr darf ich trauen, von ihr darf ich mich neu zu Jesus führen lassen.
Und dann begegnet Maria dem Herrn. Sie erkennt ihn nicht, sie meint, es ist der Gärtner, fragt ihn, ob er den Leichnam weggebracht hat. Da spricht der Auferstandene sie an, sagt in seiner unnachahmlichen Art „Maria“ zu ihr. Da gehen ihr die Augen auf, sie weiß: Es ist der Herr, ihr Meister. Sie umarmt ihn und will ihn nicht mehr loslassen. So muss er ihr sagen: „Halt mich nicht fest!“. Maria begegnet dem Lebendigen, dem Auferstandenen, sie drückt ihre Freude an ihm aus, sie ist überwältigt von Freude, weil er vor ihr steht und sie anspricht.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie lebendig sie daraufhin geworden ist, wie sie vor Leben und Freude und Mut sprüht, wie sie ganz außer sich ist, wie sie für andere zum Zeichen des Lebens und der Freude und der Lebendigkeit wird. So geht sie zu den Jüngern und verkündet: „Ich habe den Herrn gesehen!“

Mich am Lebendigen freuen, das bedeutet für mich, mich nicht nur darüber freuen, dass der Lebendige, der Auferstandene jetzt unter uns lebt, uns mit seiner Gegenwart beschenkt, sondern mich an allem (!) Lebendigen freuen. „Wer am Lebendigen seine Freude hat, wird selbst lebendig.“ Das bedeutet für mich Ostern, Auferstehung – heute und morgen und bis in Ewigkeit.

© Pfarrer Dietmar Dominik Stipsits

Kommentieren geschlossen.