3. Fastensonntag: Simon hilft Jesus das Kreuz tragen

Fastenzeit 2018
Leben – im Zeichen des Kreuzes auf unserem Weg

Leben in Ewigkeit, Auferstehung, Unsterblichkeit der Seele als Heilsbotschaft
am Ende des (Kreuz-) Weges im irdischen Dasein

Dieses Motto hat sich unser Liturgiekreis für die heurige Fastenzeit gewählt. Optisch werden wir begleitet von den Darstellungen der Kreuzwegstationen aus der Pfarrkirche im slowenischen Piran.

Der heutige dritte Fastensonntag steht unter dem Gedanken SOLIDARITÄT, UNTERSTÜTZUNG:
„Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ Anteilnahme stärkt mentale Kraft.
Zivilcourage zeigen! Schweigen bedeutet Akzeptanz

5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Da findet sich ein Mensch, der die Last mit Gott zu teilen bereit ist.
Ein Mensch springt für mich ein. Ein Mensch schlüpft unter deine Last.
Es gibt sie, diese Menschen.
Zuerst fremd und unbekannt, gehen sie diesen Weg für ihre Mitmenschen.
Jesus spricht: Sie füllen meinen Platz aus unter den Menschen.
Sie bringen euch eurer Berufung und eurem Ziel ein Stück näher.
Sie, die das Kreuz für mich tragen, sind meine Jünger, meine Zeugen – wenn auch ich nicht spürbar helfen kann, so weiche ich nicht von ihrer Seite.

Es gehört zu unsrer christlichen Verantwortung, mit offenen Augen und offenen Herzen in Zeit und Gesellschaft hineinzublicken, um zu erkennen, wo Simon von Cyrene, wo ich, heute handeln soll.

 

Kyrie:
Jesus Christus ist der Kyrios – der Herr, der sich unser erbarmt. Ihn begrüßen wir in unserer Mitte.
Kyrie eleison

 

Lesung: Gal 6,2-5.9
Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
Wer sich einbildet, etwas zu sein, obwohl er nichts ist, der betrügt sich.
Jeder prüfe sein eigenes Tun.
Dann wird er sich nur im Blick auf sich selbst rühmen können, nicht aber im Vergleich mit anderen.
Denn jeder wird seine eigene Bürde zu tragen haben.
Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun; denn wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten, sobald die Zeit dafür gekommen ist.

 

Evangelium: Joh 13, 12-17
Als Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hatte, zog er wieder sein Oberkleid an und setzte sich zurück ab den Tisch.
„Versteht ihr, was ich eben für euch getan habe?“ fragte er sie und erklärte es ihnen:
„Ihr nennt mich Rabbi und Lehrer, Meister und Herr, ihr habt recht, ich bin es.
So wie ich euch die Füße gewaschen habe, sollt ihr euch von jetzt an untereinander die Füße waschen.
So wie ich euch gedient habe, sollt ihr euch gegenseitig dienen.
Nehmt euch mein Beispiel zu Herzen und macht es zum Maßstab eures Lebens.
Gelungenes Leben ist verschenktes Leben.
Geglücktes Leben ist Dasein für andere.
Nehmt euch meine Worte und Werke zum Vorbild.
Passt auf! Ein Diener ist nicht größer als sein Herr, und ein Bote ist nicht größer als sein Auftraggeber!
Wenn ihr das beherzigt, seid ihr gut.

 

Predigt von Pfarrer Dietmar D. Stipsits

Liebe ChristInnen!

„Mittragen“ – diese Eigenschaft oder diese Haltung kam mir in den Sinn, als ich mich an das Thema des heutigen 3. Fastensonntages heranwagte: „Solidarität und Unterstützung“ anhand der 5. Kreuzwegstation „Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen“ benennt es unser Liturgiekreis. Ja, auf meinem Lebensweg begegnen mir unterschiedlichste „Kreuze“, die ich zu tragen habe, mit denen ich lernen muss, sie anzunehmen, oder die eine Chance in sich bergen, dass ich mich weiterentwickle.

Wie wohltuend ist es, dabei zu erfahren, dass ich all diese Kreuze nicht alleine tragen muss, sondern dass es andere gibt, die mit mir mittragen, wenn ich es brauche, die an meiner Seite sind und mir helfen, ohne viel zu fragen, die sogar mit mir mit-leiden, tatsächlich, ganz tief in und mit ihrem Herzen. Das tut mir gut, gerade in einer Zeit, wo Konkurrieren und Rivalisieren und Mobbing große Befriedigung zu verschaffen scheinen.

„Mittragen“, das bedeutet für mich weit mehr als mit jemandem Mitleid zu haben. Mitleid-haben hat für mich mit Distanz zu tun, ja sogar mit einem Hauch von Sich-Herablassen. „Mittragen“ bedeutet für mich, dass ich mich auf einen konkreten Menschen, der leidet, der krank ist, der Hilfe braucht – warum auch immer -, zugehe und mich auf ihn jetzt einlasse, voll und ganz, mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln.

Wenn ich auf mein Leben schaue, dann wird mir bewusst, dass die Augenblicke größter Freude und größten Trostes jene Momente waren, bei denen mir jemand sagte: „Ich kann dir deine Qual nicht abnehmen und habe auch keine Lösung für dein Problem, aber ich kann dir versprechen, dass ich dich nicht alleine lasse und dir beistehe solange und so gut ich es kann.“ Die beiden Lesungstexte, die wir in der heutigen Eucharistiefeier gehört haben, laden uns genau dazu ein.

Wo kann, wo muss ich heute „mittragen“? Ich will den Horizont noch etwas erweitern und nicht nur beim konkreten Mitmenschen stehenbleiben. Wie sieht es aus mit meinem „Mittragen“ in der Politik? Bin ich einer, der sich nur aufregt darüber, was alles schief läuft in unserer politischen Landschaft, oder bin ich bereit, politisch „mitzutragen“ und mich z. B. in einer Partei zu engagieren? Bin ich eine, die nur ständig darüber klagt, wie sehr es momentan mit unserer kath. Kirche bergab geht, wie immer weniger Menschen das Angebot des christlichen Glaubens als hilfreich betrachten, oder bin ich bereit, „mitzutragen“ und mich in meiner Pfarrgemeinde aktiv einzubringen?

„Mittragen“ ist für mich eine sehr umfassende, eine alle Bereiche meines Lebens betreffende Haltung, die mir – sowohl als Gebender wie auch als Empfangender – dabei hilft, ein Leben zu führen, welches die Welt verändert zum Guten hin. „Mittragen“, mit anderen sein, wann und wo auch immer, und freiwillig in die Gefolgschaft der Schwachen, der Benachteiligten, der Unterdrückten treten. „Mittragen“ bedeutet für mich, aktiv mich einbringen in Gesellschaft, Arbeitswelt, Kirche, Politik, wo auch immer, nicht um zu jammern, sondern um meine Lebenswelt hin zum Guten zu verwandeln, heute und jeden Tag aufs Neue bis in Ewigkeit.

 

Fürbitten:

Lasset uns beten zu Jesus Christus, der für uns hat das Kreuz getragen:

  1. Herr, lass uns hellhörig und sensibel sein, wenn Menschen unsere Anteilnahme brauchen und eine liebevolle Geste ihnen Hilfe sein kann.

Herr, lass uns einander helfen, unsere Kreuze zu tragen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns!

  1. Herr, lass uns erkennen, wo Menschen unter der Last ihres Kreuzes nicht mehr weiter können und zeige uns Wege, ihnen unaufdringlich und diskret zu helfen

Herr, lass uns einander helfen, unsere Kreuze zu tragen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns!

  1. Herr, gib uns Ehrlichkeit uns selbst gegenüber, wenn wir erkennen müssen, dass wir an die Grenze unserer Belastbarkeit gelangt sind.

Gib uns Demut zuzulassen, dass Andere uns beistehen.

Herr, lass uns einander helfen, unsere Kreuze zu tragen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns!

Herr, du bist uns Bruder im Leid geworden. Stärke durch die Kraft deines Geistes und die Erfahrung deiner Gegenwart alle, die das Kreuz ihres Lebens nicht mehr tragen können. Amen

 

Meditation

Wo Wege von Menschen sich kreuzen,
da kann einer dem anderen sein Kreuz aufladen,
da kann einer des anderen Kreuz werden,
da kann einer gebeugter und einer aufgerichteter weitergehen,
da kann einer fallen und einer oben bleiben,
da können auch beide sich das Kreuz erleichtern,
oft nur, indem sie voneinander erzählen,
miteinander sprechen,
einander die Hand reichen.

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