3. Fastensonntag 2020: Glaube

Fastenzeit 2020
„Jesus bleibet meine Freude“

Joh. Seb. Bach: Choral aus BWV 147; Ton Koopman:
„Jesus bleibet meine Freude“
  auf Youtube anhören >>

Jesus bleibet meine Freude,
Meines Herzens Trost und Saft,
Jesus wehret allem Leide,
Er ist meines Lebens Kraft,
Meiner Augen Lust und Sonne,
Meiner Seele Schatz und Wonne;
Darum lass ich Jesum nicht
Aus dem Herzen und Gesicht.

 

 

Thema des 3. Fastensonntags: GLAUBE

Im Hebräerbrief 11,1 lesen wir:
„Der GLAUBE aber gründet in der Hoffnung; Glauben ist das Ergriffenwerden durch das Unsichtbare.“

„ICH GLAUBE an Gott, das Geheimnis aller Geheimnisse, den wir in Bildern Vater und Mutter nennen“, schreibt Klaus Roos in seinem Credo.

Und woran glaubst DU?

Wir tun uns heute schwer über unseren Glauben zu sprechen, in Worte zu bringen, was un-sagbar ist, fast privat oder intim.

Woran glaubst DU? Wofür gehst DU? Was ist deine Motivation, dein Antrieb, deine Kraft?

Jede und jeder von uns hat Glaubenssätze, die helfen das Leben gut und sinnvoll zu gestalten.

Und was, wenn der Glaube an Gott vom Zweifel erschüttert und hinterfragt wird? Ringen um den guten und richtigen Weg, ringen um ein Leben in Fülle für alle, ringen um meinen Grund, der mich trägt kann nicht verkehrt sein. Der Zweifel und das Hinterfragen können mir helfen:

Sodass ich dann sagen kann: Ich weiß mich getragen, kann und darf glauben aufgehoben zu sein, kann und darf auch zweifeln, werde aber niemals aus der Hand Gottes fallen, oder wie es im Bachchoral ausgedrückt ist: Ich verliere Jesus nicht aus meinem Herzen und meinem Gesichtsfeld, er gibt meinem Leben Kraft.

 

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom (Röm 5,1-11)

Schwestern und Brüder!
Gerecht gemacht also aus Glauben,
haben wir Frieden mit Gott
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Durch ihn haben wir auch im Glauben
den Zugang zu der Gnade erhalten,
in der wir stehen,
und rühmen uns der Hoffnung
auf die Herrlichkeit Gottes.
Mehr noch,
wir rühmen uns ebenso der Bedrängnisse;
denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld,
Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.
Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen;
denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Denn Christus ist,
als wir noch schwach waren,
für die zu dieser Zeit noch Gottlosen gestorben.
Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben;
vielleicht wird er jedoch
für einen guten Menschen sein Leben wagen.
Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin,
dass Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.
Nachdem wir jetzt durch sein Blut
gerecht gemacht sind,
werden wir durch ihn erst recht
vor dem Zorn gerettet werden.
Da wir mit Gott versöhnt wurden
durch den Tod seines Sohnes,
als wir noch Gottes Feinde waren,
werden wir erst recht,
nachdem wir versöhnt sind,
gerettet werden durch sein Leben.
Mehr noch, ebenso rühmen wir uns Gottes
durch Jesus Christus, unseren Herrn,
durch den wir jetzt schon
die Versöhnung empfangen haben.

Wort der Heiligen Schrift.

 

Predigt von Pfarrer Dietmar Stipsits

Liebe ChristInnen!

Glaube – bedeutet das einfach nur „etwas für wahr halten, das man nicht beweisen kann“? Im Gegensatz zum Wissen wäre damit der Glaube ein Überzeugtsein von Wahrheiten, die ich nicht durch wissenschaftliche Beweise oder durch vernünftige Einsicht erkennen kann. Eine derartige Erklärung von „Glaube“ ist für mich höchst bedenklich und zu hinterfragen. Glaube ist für mich weit mehr als „etwas für wahr halten“.

Für mich hat Glaube vor allem zwei Dimensionen. Einerseits glaube ich an etwas: Ich glaube an Gott. Ich glaube an einen Gott, der mich kennt und begleitet. Ich glaube an einen Gott, der vor allem und in erster Linie barmherzig ist und gütig. Ich glaube an einen Gott, der mich an ein Ziel führen möchte, zur ewigen Geborgenheit bei ihm.

Und die zweite Dimension des Glaubens umfasst für mich ein Lebensgefühl, eine Lebenseinstellung, eine Grundstimmung, vor allem ein Urvertrauen: Ich vertraue darauf, ich glaube, dass ich von Gott geliebt bin, dass ich gut bin, so wie Gott mich geschaffen hat (vgl. Gen 1,31) und dass dieser Gott mich nie fallen lässt, auch dann nicht, wenn ich etwas falsch gemacht habe.

Und natürlich gehört zu meinem Glauben ebenso die andere Seite der Medaille, nämlich der Zweifel. Ich möchte Gott vertrauen, aber es stellen sich immer wieder Zweifel ein, ob ich ihm wirklich trauen kann. Vor allem in Krisenzeiten, in schwierigen Situationen, wo ich nicht weiß, wie es weitergehen soll, da frag ich mich dann oft, ob es Gott wirklich gibt.

Dieser ernste, ehrliche Zweifel als mein Ausdruck des ehrfürchtigen Suchens nach voller Wahrheit ist unbedingt notwendig in meinem Glauben. Ich nehme dann immer die Bibel her und lese darin, wie z. B. Mose geglaubt hat, oder wie Elija in seiner Krise von Gott die Kraft bekam und neuen Mut fand zum Leben und zum Weitergehen, oder wie die Jünger zweifelten, als der auferstandene Jesus ihnen begegnete, und Jesus ihnen in dieser Situation „die Kraft aus der Höhe“ (Lk 24,49) versprach.

Glaube ist für mich nicht: „etwas für wahr halten, was ich nicht beweisen kann“. Glaube hat für mich nichts mit Glaube an Wunder zu tun. Nein, Glaube bedeutet für mich: Ich glaube an Gott, der barmherzig und gütig ist. Ich glaube an Gott, der mich persönlich kennt und liebt. Ich glaube an Gott, der meinem Leben Sinn und Richtung gibt. Ich glaube an Gott, der trotz meiner Zweifel Fundament meines Lebens ist. Ich glaube an Gott, der am Ende meines Lebens auf mich wartet mit offenen Händen. Deshalb kann ich mit Johann Sebastian Bach singen: „Darum lass ich Jesum nicht, aus dem Herzen und Gesicht“ (Choral „Jesus bleibet meine Freude“) – weder heute noch in Ewigkeit.

 

Fürbitten:

Gott zu dir kommen wir und bitten:

  1. Für alle Menschen, die zweifeln und den richtigen Weg suchen: Lass sie durch unser Beispiel die richtigen Antworten finden.
  2. Für alle Menschen, die den Glauben als Besitz und nicht als Gnade sehen: Lass sie erkennen, dass Glaube ohne Toleranz nicht Jesu Weg entspricht.
  3. Für alle Menschen, die verzweifelt sind: Lass sie spüren, dass sie niemals aus deiner Liebe fallen können.
  4. Für unsere ganze Schöpfung: lass uns alle an einer besseren Zukunft arbeiten.

Obwohl unser Glaube nicht immer groß ist und die Hoffnung manchmal schwindet, wollen wir gestärkt durch die Gemeinschaft die nötigen Schritte in unserem Leben setzen, mit Christus durch die Heilige Geistkraft. Amen.

 

Meditation

Noch bevor wir dich suchen,
bist du bei uns.
Bevor wir deinen Namen kennen,
bist du schon unser Gott.
Öffne unser Herz für das Geheimnis,
in das wir aufgenommen sind:
dass du uns zuerst geliebt hast
und dass wir glücklich sein dürfen mit dir.
Nicht weil wir gut sind,
dürfen wir uns dir nähern,
sondern weil du Gott bist.

aus: Gotteslob 6,1 (F. Cromphout, A. von Laere, L. Geyseis, R. Lenaers)