Mariasdorf

Spätgotische Pfarrkirche Mariasdorf

Die spätgotische Kirche zu Mariae Himmelfahrt (15. August) wurde vermutlich in der Zeit zwischen 1400 und 1490 erbaut, jedoch nie ganz fertiggestellt. Über den Ursprung der Kirche wissen wir wenig. Historisch gesichert scheint die Tatsache, dass, nachdem die Brüder Kanizsai 1392 den Besitz des ungarischen königlichen Herrschaftsgutes Bernstein für sich sichern konnten, mit dem Bau einer großzügig geplanten Pfarrkirche begonnen wurde. Dass diese Kirche für Bergknappen errichtet worden wäre, wie es vielfach behauptet wird, ist sehr unwahrscheinlich. Der Bergbau erlangte in der Region erst im 16. Jh. größere Bedeutung.

Nach den baulichen Merkmalen wurde Anfang des 15. Jahrhunderts zunächst das Presbyterium der Kirche errichtet. Die Geschichte des Bernsteiner Burgdominiums war in der zweiten Hälfe des 15. Jhs. sehr wechselvoll. Nach der Besetzung der Westungarischen Komitate 1446 durch König Friedrich IV. lösten einander die Pfandherren und Burgvögte in kurzen Zeitspannen ab. Daher grenzt es an ein Wunder, dass gegen Ende des 15. Jahrhunderts an der Kirche trotzdem weitergebaut wurde. Wahrscheinlich entstand in dieser Zeit das Kirchenschiff, das unvollendete Westportal mit dem Tympanon (1490), die Sakristei, darunter das Ossarium (Gebeinhaus), das alte Sakramentenhäuschen an der Nordwand mit der eingemeißelten Jahreszahl 1483, und die beiden Treppentürme.

Nach barocken Umbauten im 17. und 18. Jahrhundert ist die Kirche in den Jahren von 1882 bis 1899 unter der künstlerischen Leitung von Emmerich (Imre) Steindl, dem Architekten des ungarischen Parlaments, im Stil des Historismus renoviert, von barocken Zutaten befreit, vollendet und teilweise umgestaltet worden. Der neugotische, aus farbiger Majolika gefertigte Hochaltar, die Kanzel und das Taufbecken stammen aus der Keramikfabrik Zsolnay in Pécs/Fünfkirchen in Ungarn und stellen eine kunsthistorische Rarität dar.

In den Jahren 2000 und 2001 wurden in und um die Kirche herum geologische Untersuchungen durch das technische Büro Binder&Balogh aus Innsbruck und Bodenradar-Vermessungen durch das Physik-Institut Köhler aus Potzdam durchgeführt. Die Untersuchungen ergaben, dass sich unter dem Presbyterium der Kirche Mauerreste einer Kirche, sowie Grablegungen in drei Schichten unter dem Kirchenschiff und rund um die Kirche befinden. Das Alter des früheren Kirchenbaus und des Friedhofs könnten allerdings nur durch eine Ausgrabung festgestellt werden.

Von 2008 – 2010 wurden unter Pfarrer P. Alfons Jestl CSSR die Majolika-Einrichtungen (Hochaltar, Kanzel und Taufbecken) durch Restauratorin Klára Csáki aus Pècs renoviert.

Die Orgel entstand um 1886 in der Werkstatt von Ferdinand Peppert aus Szombathely. Sie verfügt über 10 Register. Manual: Principal 8′, Principal 4′, Superoktave 2′ Mixtur 1 1/3′ 2-fach, Viberation (= Rohrflöte 4′), Flöte 4′ (= späterer Umbau aus dem ehemaligen Bourdon 8′), Coppel 8′, Gamba 8′ (Ergänzung aus dem Jahr 1941?). Pedal: Subbass 16′, Violonbaß 8′. Pedalkoppel. Die Orgel wurde 2013 von der Fa. Bodem generalrenoviert.

Da der Sockel der Apsis im nordöstlichen Teil feucht ist (was bereits in Protokollen von 1904 nach der Regotisierung erwähnt wird), wurde 2010 der Putz abgeschlagen und im Außenbereich ein Lüftungsschacht entlang des Fundaments gemacht. 2016 wurde der Altarraum wieder verputzt und 2017 rekonstruierte der akademische Maler Miro Stikar die Schablonenmalerei.

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Führungen in der spätgotischen Kirche Mariasdorf

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