Auf der Suche nach dem Sinn: Warum Kirche?


Glaube in der heutigen Zeit: Verliert die Kirche an Bedeutung?

Osnabrück. Weihnachten, Konfirmation, Trauung. Und sonst? Viele Menschen fühlen sich der Kirche nicht mehr verbunden. Unsere Autorin fragt sich, was sie trotzdem noch dort zu suchen hat.
Beitrag in der Osnabrücker Zeitung

Fronleichnam 2017: Gott mit allen Sinnen erleben

Einleitung:
„Du Ewiger, du hast dich mir gezeigt.“
Dieses Zitat aus dem „Stundenbuch“ von Rainer Maria Rilke wollen wir der heutigen Prozession voranstellen: 

Gott mit allen Sinnen erleben

Mit offenen Sinnen durch die Welt und das Leben zu gehen und dadurch Gott nahe zu kommen; ihn in mir/in uns zu spüren. Gott ist Leben, wir leben in Gott. In all dem, was um uns herum ist und was in uns ist, können wir Gott wahrnehmen – mit allen Sinnen.

  1. Altar

Sehen zu können erschließt uns die Welt.

Kind 1: Bunte Farben, Blumen und Tiere sind schön…

Kind 2: Es ist auch schön, mit Freunden in der Natur spielen zu können und am Abend Sterne zu sehen.

G: Sehen, ja sehen zu lernen, unseren Blick auch Kleinem, vielleicht Unscheinbarem zuzuwenden lässt uns Gottes Schöpfung erleben – die Harmonie der Farben und Formen in der Natur wie auch – kreativ gestaltet – in der Kunst.
Wie heißt es schon bei Antoine de Saint-Exupéry im“ Kleinen Prinz“:
„Man sieht nur mit dem Herzen gut; das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Sehen zu lernen heißt unseren Blick nach innen zu richten und auch bereit zu sein, sich anderen zuzuwenden…

Lesung: Markus 10, 46-48. 51-52

Sie kamen nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!

Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.

Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wiedersehen können.

Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wiedersehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.

Gedanken:
Glaube als Hilfe, um sehen zu lernen und so auf seinem Lebensweg geführt zu werden:
Wieder sehen zu können, anderen Aufmerksamkeit zu schenken führt uns auf unserem Lebensweg in Gottes Nähe.

Fürbitten:

Gottes Schöpfung macht uns Mut zum Leben, bringt Farbe in manch tristes Alltagsgrau.

  • Gütiger Gott, lass uns auch Freude an kleinen Dingen entdecken und Gottes Schöpfung darin erleben.

Herr, unser Gott,…

  • Gütiger Gott, lass uns auch die Bedürfnisse unserer Mitmenschen sehen und erkennen.

Herr, unser Gott,…

Gottes Schöpfung möge uns allen Quelle für Zuversicht in unserem Leben sein.

Lied – Segen – Lied

 

  1. Altar

das Hören, wahrnehmen/Ohren

 

Das Vorwort-Lied des Johannes-Evangeliums, der Prolog, sagt:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“

Ja, Gott spricht zu mir – ich spreche zu ihm – er hört mich – höre ich ihn? Und wenn ich ihn höre…?

Unsere Erstkommunionskinder sprechen zu ihm – in Form eines Briefes … den jetzt ihre Religionslehrerin vorlesen wird:

Lieber Gott!
Ich habe dich sehr lieb. Ich danke dir, dass du mir Essen gibst,
dass du mir ein Haus geschenkt hast und auf mich aufpasst,
dass du mir immer hilfst und mich beschützt.
Ich bin froh, dass es dich gibt. Ich danke dir.
Deine Amelie

Zum Glauben gehört ganz wesentlich das Hören – Hören auf Gottes Wort, auf das, was Gott von mir will.
Oder vielleicht richtiger: auf das was Gott für mich will.

In unserer sehr lauten und umtriebigen Welt tun wir uns heute mit dem Hören eher schwer. Wir sind eher damit beschäftigt, das zu sagen, was uns gerade beschäftigt und daher nicht mehr in der Lage, auf das zu hören, was dem anderen gerade wichtig ist.

Wenn ich anderes und Neues erfahren will, dann muss ich ins Hören kommen.

In der folgenden Lesung aus dem 1. Buch Samuel hören wir, dass der junge Samuel, der beim Priester Eli am Heiligtum von Schilo aufwächst, von Gott gerufen/ berufen wird

Lesung:   1 Sam 3, 4-9

Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: Hier bin ich. Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen:

Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen.

Da ging er und legte sich wieder schlafen: Der Herr aber rief noch einmal: Samuel!

Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen.

Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen.

Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden.

Da rief der Herr den Samuel wieder, zum Drittenmal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen.

Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hat.

Eli sagte zu Samuel: geh, leg dich schlafen! Wenn er dich wieder ruft, dann antworte: Rede, Herr, denn dein Diener hört.

 

Meditation:
          Dich höre ich
im Gesang der Vögel
im Rauschen des Wassers

im Säuseln des Windes
im Klang der Glocken
im Lachen der Kinder

im Schweigen der Nacht
in der Stille der Einsamkeit
(im Hilfeschrei der Schwachen)
du rufst mich, lass mich nicht taub werden.

Lied – Segen – Lied

 

  1. Altar

Über Duft und Geschmack das große Werk Gottes erfahren!

Kinder-Antworten zum Thema „Riechen und Schmecken“:

Ich rieche gerne Blumen, frisch gebackene Kekse, Meerluft, Christbaum, Benzin…
Mir schmeckt am besten: Kuchen, Schnitzel, Honig, Pizza, Erdbeeren, Spaghetti, Saft, Thai-Curry…

„Geschmäcker sind verschieden“ heißt es immer wieder fast sprichwörtlich – und eben an diesem Reichtum, an dieser Vielfalt an Düften und Geschmäckern, ist die Absicht der Schöpfung erkennbar!

Erst im Sich-darauf-Einlassen, unbekannte Düfte und Geschmacksrichtungen zu erfahren, anzunehmen, erst in dieser Offenheit Neuem/Anderem gegenüber ist ein Sich-Weiterentwickeln möglich und das umfassende Geschenk Gottes in seinem ganzen Umfang erfahrbar!

Auch im Gottesdienst kann mit den uns geschenkten Sinnen der Duft und Geschmack von Brot und Wein wahrgenommen werden, wenn wir die Früchte unserer Arbeit und Gottes Gegenwart zugleich in der Tischgemeinschaft teilen und genießen dürfen….

Lesung nach Lukas:

Als die Stunde gekommen war, begab er sich mit den Aposteln zu Tisch. Und er sagte zu ihnen: Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen… Und er nahm den Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: Nehmt den Wein und verteilt ihn untereinander!… Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

An Gottes Gegenwärtigkeit immer wieder spürbar erinnert werden… und sich dessen bewusst sein, dass all das Gute und Wohltuende Gabe Gottes ist!

Fürbitten

Du uns so viel Gutes schenkender Gott:

  • Lass uns Menschen über unsere Sinne wieder bewusster werden, wie wertvoll Wasser und Nahrung für uns ist, damit wir wieder zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit der Schöpfung finden und nicht so verschwenderisch damit umgehen.
  • Freude an den Reichtümern von Geruch und Geschmack zu haben, ist ein großes Geschenk an uns. Lass uns dieses Geschenk teilen und weitergeben, indem wir immer wieder geschmackvoll mit unseren nächsten Mitmenschen umgehen.

Lied – Segen – Lied

 

  1. Altar

HAUT und SEELE – Fühlen und Spüren

Wir sind beim letzten Altar angekommen.

Wie geht es Ihnen bei der Prozession? Wie fühlen Sie sich gerade! Sind Sie schon müde? Spüren Sie die Hitze, den Durst? Fühlen Sie sich wohl in der Gemeinschaft?

Beim 4. Altar geht es um die Sensibilität für mein Fühlen und das der anderen, um das Berühren und Berührtwerden – innerlich und äußerlich. Wir brauchen wohltuende Berührungen – auf der Haut und in der Seele. Mitgefühl und Zuwendung ermöglichen neues Leben.

Lesung: Lk 15,20-24

Dann brach der verlorene Sohn auf und machte sich auf den Weg zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. – Er sagte: „Mein Sohn war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wiedergefunden worden!“ Und sie begannen ein fröhliches Fest zu feiern.

Wir können die anderen und auch Gott mit unserem Spürsinn erleben. Wer betet, meditiert, staunen kann, sich lieben lässt und selber liebt, der spürt Gott in seinem Herzen, der wird von ihm berührt – das ist wie Balsam auf der Seele.

Meditation:

Aus dem Psalm 139:
Herr, du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich. Wunderbar ist für mich dieses Wissen. Nehme ich die Flügel des Morgenrots und lasse mich nieder am äußersten Meer, auch dort wird deine Hand mich berühren und deine Rechte mich umschließen. Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast und mich leitest auf meinen Wegen.

Lied – Segen – Lied

Prozession geht zurück in die Kirche.

Franziskus: Der Geist bewirkt Einheit in Verschiedenheit

Pfingsten: Das Verschiedene bleibt und bildet dennoch Einheit

Mit dem Pfingstfest feiert die Kirche das Neue, den „Schöpfergeist, der immer neue Dinge vollbringt“. In seiner Predigt bei der Messe auf dem Petersplatz sprach Papst Franziskus dieses neue an, das mit dem Geist, der „österlichen Gabe schlechthin“, in die Welt gekommen sei.

Mit der Aussendung des Heiligen Geistes neu werde zuerst das Volk, der Geist mache aus den Jüngern dieses neue Volk Gottes, das die Kirche ist. „Jedem gibt er eine Gabe und alle versammelt er in der Einheit“, das Verschiedene bleibt erhalten und bildet dennoch die Einheit.

Einheit und Verschiedenheit stehen aber nicht einfach nebeneinander, sie folgen aufeinander. „Zuerst erschafft (der Geist) einfallsreich und unvorhersehbar die Verschiedenheit; denn zu jeder Zeit lässt er neue und vielfältige Charismen aufblühen. Dann verwirklicht der gleiche Geist die Einheit: er verbindet, versammelt und stellt die Harmonie wieder her“. Diese Einheit sei nicht mit Einförmigkeit zu verwechseln, es bleibe „Einheit in Verschiedenheit“.

Weiterlesen auf Radio Vatikan

Gottesdiensttermine für Juli

GOTTESDIENSTORDNUNG für Juli – September 2017

HINWEIS:
Änderungen vorbehalten. Aktuell ist die WOCHENORDNUNG >>

Juli 2017

August 2017

September 2017

Oktober 2017

Datum    Zeit    Ereignis ………………………….

 

Bitte um Ihre Spende für Kirchensanierung

Aufgrund der Bodenbeschaffenheit musste das Fundament unserer Pfarrkirche in Bad Tatzmannsdorf im Dezember 2016 mit 57 Betonsäulen (auf eine Tiefe von 12 m) stabilisiert werden, um unsere Kirche weiter benützen zu können. Die Gesamtkosten dieser Kirchensanierung werden ca. € 500.000,00 betragen. Der Spendenstand mit 29.05.2017 beträgt € 7.736,28 (Die politische Gemeinde Bad Tatzmannsdorf hat uns dankenswerterweise mit zusätzlich € 5.000,00 unterstützt). Bitte spenden Sie daher großzügig auf folgendes Konto:

IBAN AT533312500201003888
lautend auf: Röm.-kath. Pfarre Bad Tatzmannsdorf
Verwendungszweck: „Kirchensanierung“

Vielen Dank für Ihre Spende,
der Wirtschaftsrat unserer Pfarrgemeinde Bad Tatzmannsdorf.

Anmeldung für die Firmung 2018

LiebeR FirmkandidatIn!
Hallo und Grüß Gott!

Wenn Du in unserem Seelsorgeraum wohnst und zwischen September 2003 und August 2005 geboren bist, hast Du die Möglichkeit, im kommenden Schuljahr 2017/18 in Deiner Pfarre gefirmt zu werden. In diesem wichtigen Lebensabschnitt möchte Dir die Kirche durch das Firmsakrament Orientierung und Hilfe für das Leben anbieten. In der Firmvorbereitung wollen wir den je eigenen Lebens- und Glaubensweg entdecken.

Liebe Eltern, wir sind auf Ihre Hilfe angewiesen und hoffen, dass Sie Ihre Tochter/Ihren Sohn auf dem Weg zur Firmung unterstützen. Wir möchten zudem darauf hinweisen, dass eine Firmung auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist. Vielleicht entdeckt Ihre Tochter/Ihr Sohn erst in einigen Jahren den Weg des Glaubens. Unsere Türen werden offen sein.

Um im Herbst mit der Vorbereitung beginnen zu können, ersuchen wir um Anmeldung bis 18. Juni 2017.
Bitte geben Sie entweder das ausgefüllte Formular (hier als PDF) in der Pfarrkanzlei ab (Mo-Fr, 8-12 h) oder melden Sie sich online an, indem Sie das folgende Formular ausfüllen und auf „Senden“ klicken.

Wir freuen uns auf eine erlebnisreiche Firmvorbereitung und hoffen auf Ihr aktives Mitleben in unseren Pfarrgemeinden.

Gustav Krammer   und   Dietmar Dominik Stipsits
Pastoralassistent                        Pfarrer

 

ANMELDUNG ZUR FIRMUNG





Serie Luther

Serie Luther und seine Zeit (1): Der Fundamentalist

Luther und seine Zeit (1)
Der Fundamentalist
An die Schlosskirche hat Martin Luther seine 95 Thesen nie genagelt. Trotzdem hat der wütende Professor aus Wittenberg eine Bewegung ausgelöst, die niemand stoppen konnte. Weil die Zeit dafür reif war.
rp-online

Luther und der Glaube (2)
Wie Luther mit dem Glauben rang
Er war ein Kämpfer, ein Polemiker, ein leidenschaftlicher Mensch, und er entwickelte sich vom Mönch aus Wittenberg zum Kirchenkritiker und Reformator. Martin Luther konnte hart in der Sache sein. Ohne Zweifel aber war er nicht.
rp-online

Luther und die Reformatoren (3)
Luthers Vordenker
Bibelübersetzungen gab es schon vor Luther und die Kritik am Ablasshandel sowieso. Aber die Zeit war noch nicht reif.
rp-online

Luther und die Juden (4)
Luthers dunkle Seite
Martin Luther war nicht nur Reformator der Kirche, sondern auch glühender Antisemit. Vor allem eine seiner späten Schriften zeugt von seiner Judenfeindschaft. Die Evangelische Kirche sucht nun nach dem richtigen Umgang damit.
rp-online

Auferweckung im Christentum

„Ich empfehle theologische Aufräumarbeit“

Menschen erhoffen die Überwindung des Todes. Dennoch gebe es heute in Glaubensfragen „keine Gewissheiten mehr“, sagte der katholische Fundamentaltheologe Magnus Striet im Deutschlandfunk. Nur diese eine: „Menschen können nicht anders, als eine Haltung zum Sterben-Müssen und zum kommenden Tod einzunehmen.“

Magnus Striet im Gespräch mit Andreas Main auf Deutschlandfunk.de

5. Fastensonntag: Gesund lebt, wer im Frieden mit sich selbst lebt

Fastenzeit 2017:
„Gesund lebt, wer Freude hat an der Weisung des Herrn.“
Mensch, wo bist du? Gott, wo bist du?

Jeden Sonntag hören wir eine Weisung, die uns gut tut, die uns gesund machen kann.

5. Fastensonntag:
„Gesund lebt, wer im Frieden mit sich selbst lebt und diese Zufriedenheit von Herz zu Herz weiter trägt.

 Einleitung:

Glücklich die Menschen, die Frieden ausstrahlen und so Frieden stiften, denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden.

Wer Gott und seiner Fürsorge vertraut, ist genügsam, zufrieden, hat Frieden im Herzen.

Zufriedene Menschen nehmen nichts als selbstverständlich, können sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen und finden offene Worte der Nähe für einander und schlagen Brücken nicht nur zu den Gleichgesinnten.

Ihre Zufriedenheit ist ansteckend, eine Bewegung von Herz zu Herz.

Gottes Friede und Nähe wird in ihrem Leben sichtbar.

Glückliche, zufriedene Menschen machen ernst mit unserem heutigen Lesungstext:

„ Ihr vom Hause Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.“

Fasten, unterwegs sein auf dem Weg zum größten Fest der Christen: zur Auferstehung als Hoffnung des Menschen.

Die Fragen „Mensch, wo bist du?“ und Gott, wo bist du?“ führen zu einer Antwort, zur Erfüllung bei Gott.

 

Lesung: Jes 2, 1-5

Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, in einer Vision über Juda und Jerusalem gehört hat.
Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn / steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. / Zu ihm strömen alle Völker.
Viele Nationen machen sich auf den Weg. /Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn / und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, / auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, / aus Jerusalem sein Wort.
Er spricht Recht im Streit der Völker, /er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern / und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, / und übt nicht mehr für den Krieg.
Ihr vom Haus Jakob, kommt, / wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn

 

Evangelium: Mt 6, 19 – 24 (ökumenische Jugendbibel)

„Sammelt keine Schätze und Reichtümer materieller Art, die Motte, Wurm und Rost zerstören und die ein Dieb euch stehlen kann.
Was von solchen Schätzen kann man denn mitnehmen am Ende seines Lebens?

Es gibt aber auch Schätze anderer Art, die man sammeln kann – heute für das Reich Gottes. Eins muss euch klar sein: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Wenn dir das Geld das wichtigste ist, dann wirst du ewig am Geld hängen und nie zufrieden sein.

Das Ziel deines Lebens, dein „Schatz“, für den du arbeitest und du dich abmühst, hat immer auch dein Herz gepackt.
Wenn du merkst, dass dein Herz eigentlich etwas Anderes will, dann entscheide dich für dein Herz – und lass den Schatz fahren. Du kannst nicht reich, mächtig und geachtet sein und gleichzeitig für den Menschen da sein wollen.

Niemand kann gleichzeitig zwei Herren dienen:
Er wird entweder den einen hassen und den anderen lieben oder zu dem einen halten und den anderen verachten. Entweder ihr dient Gott oder ihr dient dem Götzen Geld – beiden gleichzeitig dienen, das geht nicht!

Vielleicht wird es euch klar: Das Auge gibt dem Körper Licht.
Wenn dein Auge gesund ist und sehen kann, dann wird es in deinem ganzen Körper hell.

Wenn sich aber vor dein Auge ein Geldstück geschoben hat, dann wird dein Auge nichts mehr sehen, als wäre es krank, und dein Körper wird dunkel sein, eine einzige Finsternis.

 

Predigt von Pfarrer Dietmar D. Stipsits

Liebe ChristInnen!

Im Frieden mit mir selbst sein. Wie kann mir das gelingen? Ich glaube, dazu ist es notwendig, dass ich immer wieder bei mir einkehre. Dabei werde ich entdecken, dass ich mir damit was Gutes tue. Ja, ich bin überzeugt davon, dass ich mir wirklich was Gutes tue, wenn ich in Berührung bin mit mir, wenn ich mich immer wieder auf mich selber konzentriere, ganz bei mir bin, dabei in Berührung bin mit meinen Gefühlen und Empfindungen, mit dem, was mich gerade beschäftigt, mit meinem Innersten.

Karl Valentin hat das in einem seiner bekannten Sprüche gut formuliert, was ich meine, er sagte: „Heute besuch‘ ich mich. Hoffentlich bin ich zu Hause.“ Um „bei mir zu Hause zu sein“, um ein zu-fried-ener Mensch zu sein, ist es einfach hilfreich, wenn ich mir regelmäßig Zeit für mich nehme, Zeiten der Stille, des Sich-Zurückziehens, der Ruhe, des In-Sich-Gehens. Am Beginn oder am Ende des Tages sind besondere Zeiten, wo ich persönlich mir diese Zeit gönne.

In dieser Zeit der Stille horche ich in mich hinein, verweile bei mir und komme so mit mir selber in Kontakt. Ich versuche dabei herauszufinden, was mich momentan beschäftigt. Spüre ich Freude oder Frust in mir, Trauer oder Ärger, Dankbarkeit oder Antriebslosigkeit…? Und diese regelmäßige Zeit der Stille hilft mir dabei, dass ich mit meinem Innersten in Berührung bin, mit ihm auch vertraut werde.

Für mich ist diese Zeit immer auch eine Chance, mich von dem zu befreien, was mich von außen bestimmt, oft so sehr, dass ich gar nicht mehr ich selber bin. Da tut es mir dann wirklich gut, wenn ich auf mein Innerstes höre, zur Ruhe komme und nachspüre, was ich wirklich sein möchte, was mir selber guttut, was mich aufbaut, was ich jetzt gerade brauche.

Im Frieden mit mir selbst sein, das vergleiche ich gerne mit einem Kuss. Wer jemals erfahren hat, wie wohltuend ein Kuss sein kann – und ich hoffe es sind alle, die das (immer wieder) erfahren haben -, die/der wissen, wie sehr ein solcher Kuss mich als ganzer Mensch nährt, mich aufblühen lässt. Gesund lebt, wer im Frieden mit sich selbst lebt, wenn ich also alles, was ich bin und in mir ist, küsse. Diesen Frieden werde ich dann auch ausstrahlen an andere – jeden Tag aufs Neue und bis in Ewigkeit.

 

Fürbitten:

Lass uns beten zu Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist und auch uns neues Leben schenkt:

  1. Für die Völker der Erde: dass sie miteinander das Gespräch und den Austausch suchen und so Frieden schaffen. Christus, höre uns.

A: Christus, erhöre uns.

  1. Für alle Rat- und Mutlosen: Lass sie Menschen finden, die sie wieder aufrichten.
  1. Für die jungen Menschen: Gib ihnen ein Gespür für das, was heute notwendig ist und den Mut, sich dafür einzusetzen.
  1. Für unsere Gemeinde: Dass wir bei der Feier des Brotbrechens eine Stärkung für unseren Glauben erfahren.

Denn du, guter Gott, hast uns Jesus geschenkt als Zeichen der Hoffnung und Botschafter der Liebe. Dafür sei dir Lob und Preis, jetzt und in Ewigkeit. Amen

 

Meditation:

Der Mensch fragt, Gott fragt

„Wo bist du, o Gott?“
Jenseits
der Geplagten?
Unter uns?
Über uns?
Wo bist du, o Gott?
Warum verbirgst du dich?“

Wo bist du, o Mensch?
In dir?
Außer dir?
Unter den Menschen?
Wo bist du , o Mensch!
Warum verleugnest du dich selbst?
Ich sehe Masken, Apparate?
Worin versteckst du dich?“

„Was denkst du über mich, o Gott?“
„Was denkst du über mich, o Mensch?“

Martin Gutl

4. Fastensonntag: Gesund lebt, wer die größere Gerechtigkeit Jesu im Blick hat

Fastenzeit 2017:
„Gesund lebt, wer Freude hat an der Weisung des Herrn.“
Mensch, wo bist du? Gott, wo bist du?

Jeden Sonntag hören wir eine Weisung, die uns gut tut, die uns gesund machen kann.

Jesu Mahl mit den Sündern

4. Fastensonntag:
Gesund lebt, wer die größere Gerechtigkeit Jesu im Blick hat.

Einleitung:
Die Menschen haben ein gutes Gespür dafür, was gerecht und was ungerecht ist. Gerechtigkeit erleben wir als wohltuend, aber sie ist schwer zu erreichen. Das „Gießkannenprinzip“: „Jedem das Gleiche“ reicht oft nicht aus. Heilsam ist es, die größere Gerechtigkeit Jesu im Blick zu haben, die dem anderen nicht nur gibt, was ihm zusteht, sondern, was er wirklich braucht. Solche Gerechtigkeit tut beiden gut, dem, der sie empfängt und dem, der sie ermöglicht.

Fasten muss nicht verstanden werden als große Entbehrung, sondern vielmehr als Umkehr und als Aufbruch in neue Räume, die uns aufatmen und leben lassen.

 

Lesung: Jes 58, 5a. 6-8. 11b
Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt?
Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt.

 

Evangelium: Mt 9,1. 9-13
Jesus stieg in das Boot, fuhr über den See und kam in seine Stadt.
Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.
Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.2
Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?
Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.
Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

 

Predigt von Pfarrer Dietmar D. Stipsits:

Liebe ChristInnen!

In der Zeit, in der Papst Johannes XXIII. noch Patriarch von Venedig war, erhielt er eines Tages den Hinweis, einer seiner Priester sei Alkoholiker. Darauf erklärte der damalige Angelo Roncalli (= Joh. XXIII.), wie er damals noch hieß, seinem Sekretär: „Da müssen wir hin!“ Vor dem Pfarrhaus angekommen, verwies man die beiden ins nächste Gasthaus, und Angelo Roncalli schickte seinen Sekretär, den Priester zu holen. Der Sekretär kam zurück mit der Auskunft: „Sein Hut hängt da, aber er ist nicht zu sehen.“ Darauf Roncalli: „Wenn der Hut da ist, ist auch der Mann da.“

Tatsächlich kam der Sekretär einige Minuten später mit dem Priester aus dem Gasthaus, und Johannes ging mit ihm in den Pfarrhof. Machen wir hier zunächst einmal halt, bevor wir vom Ausgang dieser Begegnung erfahren. Bei einem solchen Vier-Augen-Gespräch würde ich gerne ein Mäuschen sein. Was könnte sich hier abspielen? – Sicher ein Gespräch, das dem Priester den Ernst der Lage vor Augen führt. Er hat schließlich eine seelsorgliche Verantwortung. Viele Gemeindemitglieder nehmen Anstoß am Verhalten des Priesters. Viele nehmen ihn auf Dauer auch nicht mehr ernst. „Der sauft ja, was willst mit dem!“

Vielleicht hätte Roncalli dem Priester erzählen lassen, wie es ihm geht, was los sei. Vielleicht wären Hilfsangebote von Roncalli vorgeschlagen worden oder eine Therapie. Und was ist damals wirklich geschehen? Es wird nur in wenigen Worten berichtet: Johannes bot dem Priester einen Stuhl an und sagte: „Bruder, setz dich. Ich möchte nämlich bei dir beichten.“

Was mag in dem Priester in diesem Augenblick vorgegangen sein? Alles hat er erwartet, aber nicht das! Nicht sein Suchtproblem, nicht das öffentliche Ärgernis in der Gemeinde sind die Themen. Da setzt sich sein Vorgesetzter Seite an Seite neben ihn und bekennt seine eigenen Unzulänglichkeiten und seine Schuld. Da nimmt sein Vorgesetzter ihn in der Rolle ernst, die er eigentlich leben möchte und an die er fast nicht mehr glauben konnte, nämlich Seelsorger zu sein für die Menschen.

Angelo Roncalli, der spätere Johannes XXIII., hatte begriffen, was sein Gegenüber in diesem Augenblick am meisten brauchte. Ich denke, dass diese Begegnung etwas aufleuchten lässt von der etwas anderen Gerechtigkeit Jesu und seiner Barmherzigkeit, die nicht Vergangenes aufrechnet oder demütigt, sondern die aufbaut und ermutigt, die tatsächlich gesundmacht.

Auch von Jesus wird im heutigen Evangelium eine Begegnungsgeschichte kurz und knapp erzählt. Die Adressaten sind die oft selbstgerechten Frommen – damals wie heute. Auch Jesus sagt zum Zöllner Matthäus bloß: „Folge mir nach!“ In Sekundenbruchteilen muss da etwas Befreiendes passiert sein in Kopf und Herz des Matthäus. Endlich einer, der ihn nicht festnagelt auf seinen Beruf, bei dem er mit den verhassten Römern zusammenarbeitet und seinen Landsleuten das Geld aus der Tasche zieht – natürlich auch zu seinem eigenen Gewinn.

Aber, so können wir fragen, ist das Verhalten Jesu nicht doch ein bisschen blauäugig? Sicher, auch ein Sünder wie der Zöllner Matthäus kann sich ändern. Aber muss er nicht erst einmal ein paar gute Werke nachweisen und zeigen, dass er sich wie ein frommer Israelit verhält? „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, lautet ein altes Sprichwort.

Jeder weiß doch, wie viele mühsame Schritte es braucht, egal ob es ein straffällig Gewordener ist, der auf den rechten Weg zurückkehren, oder auch ein Suchtkranker, der von seiner Abhängigkeit loskommen will. Bewährungshelfer sind dabei wichtig. Ohne Kontrolle kommt es schnell zu einem Rückfall.

Ich denke, die Bewährungshelfer Jesus und Angelo Roncalli werden das auch gar nicht abstreiten. Aber sie zeigen, worauf es zuallererst ankommt: dass da jemand wieder an sich selber glauben kann, weil ein anderer ihm vertraut und an seine guten Möglichkeiten glaubt. Es sind oft nicht die großen Worte, sondern die einfachen Gesten und Zeichen, die helfen, dass Menschen ihre Selbstachtung wiedergewinnen und ungeahnte Fähigkeiten freisetzen für einen Neubeginn. Roncalli setzte sich auf einen Stuhl neben dem Priester; Jesus legte sich an einen Tisch mit Sündern.

Die Barmherzigkeit Jesu mit ihren unerwarteten Auswirkungen hat die Gerechten und Frommen seiner Zeit verstört. Verstört sie auch uns heute, mich? Ich mache die Nagelprobe. Ich stelle mir den unangenehmsten Zeitgenossen vor, den ich kenne, das schwärzeste Schaf der Verwandtschaft, die ungerechteste Mitarbeiterin, die… oder den… da fällt mir schon jemand ein.

Kann ich mir trotz allem „Wenn und Aber“ vorstellen, mit dieser Person an einem Tisch zu sitzen? Hätte ich den Mut, ein ehrliches Wort oder eine wohlwollende Geste zu riskieren? Vielleicht hat mein Gegenüber auf einen solchen Menschen schon lange gewartet, der nicht nach dem Motto handelt „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Vielleicht zeigt sich mein Gegenüber gar nicht so unverbesserlich, wenn er spürt: Da ist einer, der sich zu seinen eigenen Fehlern bekennt (wie Roncalli) oder der meinen guten Möglichkeiten traut (wie Jesus) frei nach dem Motto: „Kontrolle mag ja ganz gut sein, aber Vertrauen ist besser!“ Gesund lebt, wer diese Gerechtigkeit Jesu im Blick hat und sie lebt – heute und bis in Ewigkeit.

 

Fürbitten:

Menschliches Bemühen und Gesetze allein reichen nicht aus, um Gerechtigkeit herzustellen. Guter Gott, wir bitten dich:

  1. Um mehr Gerechtigkeit auf der Welt, bei der Verteilung der Macht, der Güter und des Reichtums.
  1. Um mehr Gerechtigkeit in der Politik, in der Wirtschaft und in der Arbeitswelt.
  1. Um mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und den Generationen, bei der Verteilung der Freuden und der Lasten.
  1. Um mehr Gerechtigkeit in der Kirche, den kirchlichen Einrichtungen und den Pfarrgemeinden.
  1. Um mehr Gerechtigkeit in meinem ganz persönlichen Leben, in meinen Urteilen und in meinem ganzen Verhalten.

Du, Herr, zeigst uns, wie unser Leben gelingen kann, in Christus unserem Bruder. Amen.

 

Meditation:

Gott, wo bist Du?
Siehst Du nicht die himmelschreienden Ungerechtigkeiten?
Warum fährst Du nicht drein mit einem Blitz? – – –

Weil ich nicht Zeus bin – sondern Jahwe!
Jesus ist mein Blitzlicht
Und mit dem Hl. Geist bin ich dreingefahren!
Mensch, wo bist Du?
Lenke Deine Schritte auf den Weg der Achtsamkeit.
Heile die Welt mit dem Herzen der Barmherzigkeit.
Durch Deine Wärme machst Du Dir alle, die Dir begegnen,
liebenswert und zärtlich.
Das Jahr der Barmherzigkeit ist nie vorbei!