Auferweckung im Christentum

„Ich empfehle theologische Aufräumarbeit“

Menschen erhoffen die Überwindung des Todes. Dennoch gebe es heute in Glaubensfragen „keine Gewissheiten mehr“, sagte der katholische Fundamentaltheologe Magnus Striet im Deutschlandfunk. Nur diese eine: „Menschen können nicht anders, als eine Haltung zum Sterben-Müssen und zum kommenden Tod einzunehmen.“

Magnus Striet im Gespräch mit Andreas Main auf Deutschlandfunk.de

5. Fastensonntag: Gesund lebt, wer im Frieden mit sich selbst lebt

Fastenzeit 2017:
„Gesund lebt, wer Freude hat an der Weisung des Herrn.“
Mensch, wo bist du? Gott, wo bist du?

Jeden Sonntag hören wir eine Weisung, die uns gut tut, die uns gesund machen kann.

5. Fastensonntag:
„Gesund lebt, wer im Frieden mit sich selbst lebt und diese Zufriedenheit von Herz zu Herz weiter trägt.

 Einleitung:

Glücklich die Menschen, die Frieden ausstrahlen und so Frieden stiften, denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden.

Wer Gott und seiner Fürsorge vertraut, ist genügsam, zufrieden, hat Frieden im Herzen.

Zufriedene Menschen nehmen nichts als selbstverständlich, können sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen und finden offene Worte der Nähe für einander und schlagen Brücken nicht nur zu den Gleichgesinnten.

Ihre Zufriedenheit ist ansteckend, eine Bewegung von Herz zu Herz.

Gottes Friede und Nähe wird in ihrem Leben sichtbar.

Glückliche, zufriedene Menschen machen ernst mit unserem heutigen Lesungstext:

„ Ihr vom Hause Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.“

Fasten, unterwegs sein auf dem Weg zum größten Fest der Christen: zur Auferstehung als Hoffnung des Menschen.

Die Fragen „Mensch, wo bist du?“ und Gott, wo bist du?“ führen zu einer Antwort, zur Erfüllung bei Gott.

 

Lesung: Jes 2, 1-5

Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, in einer Vision über Juda und Jerusalem gehört hat.
Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn / steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. / Zu ihm strömen alle Völker.
Viele Nationen machen sich auf den Weg. /Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn / und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, / auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, / aus Jerusalem sein Wort.
Er spricht Recht im Streit der Völker, /er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern / und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, / und übt nicht mehr für den Krieg.
Ihr vom Haus Jakob, kommt, / wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn

 

Evangelium: Mt 6, 19 – 24 (ökumenische Jugendbibel)

„Sammelt keine Schätze und Reichtümer materieller Art, die Motte, Wurm und Rost zerstören und die ein Dieb euch stehlen kann.
Was von solchen Schätzen kann man denn mitnehmen am Ende seines Lebens?

Es gibt aber auch Schätze anderer Art, die man sammeln kann – heute für das Reich Gottes. Eins muss euch klar sein: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Wenn dir das Geld das wichtigste ist, dann wirst du ewig am Geld hängen und nie zufrieden sein.

Das Ziel deines Lebens, dein „Schatz“, für den du arbeitest und du dich abmühst, hat immer auch dein Herz gepackt.
Wenn du merkst, dass dein Herz eigentlich etwas Anderes will, dann entscheide dich für dein Herz – und lass den Schatz fahren. Du kannst nicht reich, mächtig und geachtet sein und gleichzeitig für den Menschen da sein wollen.

Niemand kann gleichzeitig zwei Herren dienen:
Er wird entweder den einen hassen und den anderen lieben oder zu dem einen halten und den anderen verachten. Entweder ihr dient Gott oder ihr dient dem Götzen Geld – beiden gleichzeitig dienen, das geht nicht!

Vielleicht wird es euch klar: Das Auge gibt dem Körper Licht.
Wenn dein Auge gesund ist und sehen kann, dann wird es in deinem ganzen Körper hell.

Wenn sich aber vor dein Auge ein Geldstück geschoben hat, dann wird dein Auge nichts mehr sehen, als wäre es krank, und dein Körper wird dunkel sein, eine einzige Finsternis.

 

Predigt von Pfarrer Dietmar D. Stipsits

Liebe ChristInnen!

Im Frieden mit mir selbst sein. Wie kann mir das gelingen? Ich glaube, dazu ist es notwendig, dass ich immer wieder bei mir einkehre. Dabei werde ich entdecken, dass ich mir damit was Gutes tue. Ja, ich bin überzeugt davon, dass ich mir wirklich was Gutes tue, wenn ich in Berührung bin mit mir, wenn ich mich immer wieder auf mich selber konzentriere, ganz bei mir bin, dabei in Berührung bin mit meinen Gefühlen und Empfindungen, mit dem, was mich gerade beschäftigt, mit meinem Innersten.

Karl Valentin hat das in einem seiner bekannten Sprüche gut formuliert, was ich meine, er sagte: „Heute besuch‘ ich mich. Hoffentlich bin ich zu Hause.“ Um „bei mir zu Hause zu sein“, um ein zu-fried-ener Mensch zu sein, ist es einfach hilfreich, wenn ich mir regelmäßig Zeit für mich nehme, Zeiten der Stille, des Sich-Zurückziehens, der Ruhe, des In-Sich-Gehens. Am Beginn oder am Ende des Tages sind besondere Zeiten, wo ich persönlich mir diese Zeit gönne.

In dieser Zeit der Stille horche ich in mich hinein, verweile bei mir und komme so mit mir selber in Kontakt. Ich versuche dabei herauszufinden, was mich momentan beschäftigt. Spüre ich Freude oder Frust in mir, Trauer oder Ärger, Dankbarkeit oder Antriebslosigkeit…? Und diese regelmäßige Zeit der Stille hilft mir dabei, dass ich mit meinem Innersten in Berührung bin, mit ihm auch vertraut werde.

Für mich ist diese Zeit immer auch eine Chance, mich von dem zu befreien, was mich von außen bestimmt, oft so sehr, dass ich gar nicht mehr ich selber bin. Da tut es mir dann wirklich gut, wenn ich auf mein Innerstes höre, zur Ruhe komme und nachspüre, was ich wirklich sein möchte, was mir selber guttut, was mich aufbaut, was ich jetzt gerade brauche.

Im Frieden mit mir selbst sein, das vergleiche ich gerne mit einem Kuss. Wer jemals erfahren hat, wie wohltuend ein Kuss sein kann – und ich hoffe es sind alle, die das (immer wieder) erfahren haben -, die/der wissen, wie sehr ein solcher Kuss mich als ganzer Mensch nährt, mich aufblühen lässt. Gesund lebt, wer im Frieden mit sich selbst lebt, wenn ich also alles, was ich bin und in mir ist, küsse. Diesen Frieden werde ich dann auch ausstrahlen an andere – jeden Tag aufs Neue und bis in Ewigkeit.

 

Fürbitten:

Lass uns beten zu Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist und auch uns neues Leben schenkt:

  1. Für die Völker der Erde: dass sie miteinander das Gespräch und den Austausch suchen und so Frieden schaffen. Christus, höre uns.

A: Christus, erhöre uns.

  1. Für alle Rat- und Mutlosen: Lass sie Menschen finden, die sie wieder aufrichten.
  1. Für die jungen Menschen: Gib ihnen ein Gespür für das, was heute notwendig ist und den Mut, sich dafür einzusetzen.
  1. Für unsere Gemeinde: Dass wir bei der Feier des Brotbrechens eine Stärkung für unseren Glauben erfahren.

Denn du, guter Gott, hast uns Jesus geschenkt als Zeichen der Hoffnung und Botschafter der Liebe. Dafür sei dir Lob und Preis, jetzt und in Ewigkeit. Amen

 

Meditation:

Der Mensch fragt, Gott fragt

„Wo bist du, o Gott?“
Jenseits
der Geplagten?
Unter uns?
Über uns?
Wo bist du, o Gott?
Warum verbirgst du dich?“

Wo bist du, o Mensch?
In dir?
Außer dir?
Unter den Menschen?
Wo bist du , o Mensch!
Warum verleugnest du dich selbst?
Ich sehe Masken, Apparate?
Worin versteckst du dich?“

„Was denkst du über mich, o Gott?“
„Was denkst du über mich, o Mensch?“

Martin Gutl

4. Fastensonntag: Gesund lebt, wer die größere Gerechtigkeit Jesu im Blick hat

Fastenzeit 2017:
„Gesund lebt, wer Freude hat an der Weisung des Herrn.“
Mensch, wo bist du? Gott, wo bist du?

Jeden Sonntag hören wir eine Weisung, die uns gut tut, die uns gesund machen kann.

Jesu Mahl mit den Sündern

4. Fastensonntag:
Gesund lebt, wer die größere Gerechtigkeit Jesu im Blick hat.

Einleitung:
Die Menschen haben ein gutes Gespür dafür, was gerecht und was ungerecht ist. Gerechtigkeit erleben wir als wohltuend, aber sie ist schwer zu erreichen. Das „Gießkannenprinzip“: „Jedem das Gleiche“ reicht oft nicht aus. Heilsam ist es, die größere Gerechtigkeit Jesu im Blick zu haben, die dem anderen nicht nur gibt, was ihm zusteht, sondern, was er wirklich braucht. Solche Gerechtigkeit tut beiden gut, dem, der sie empfängt und dem, der sie ermöglicht.

Fasten muss nicht verstanden werden als große Entbehrung, sondern vielmehr als Umkehr und als Aufbruch in neue Räume, die uns aufatmen und leben lassen.

 

Lesung: Jes 58, 5a. 6-8. 11b
Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt?
Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt.

 

Evangelium: Mt 9,1. 9-13
Jesus stieg in das Boot, fuhr über den See und kam in seine Stadt.
Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.
Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.2
Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?
Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.
Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

 

Predigt von Pfarrer Dietmar D. Stipsits:

Liebe ChristInnen!

In der Zeit, in der Papst Johannes XXIII. noch Patriarch von Venedig war, erhielt er eines Tages den Hinweis, einer seiner Priester sei Alkoholiker. Darauf erklärte der damalige Angelo Roncalli (= Joh. XXIII.), wie er damals noch hieß, seinem Sekretär: „Da müssen wir hin!“ Vor dem Pfarrhaus angekommen, verwies man die beiden ins nächste Gasthaus, und Angelo Roncalli schickte seinen Sekretär, den Priester zu holen. Der Sekretär kam zurück mit der Auskunft: „Sein Hut hängt da, aber er ist nicht zu sehen.“ Darauf Roncalli: „Wenn der Hut da ist, ist auch der Mann da.“

Tatsächlich kam der Sekretär einige Minuten später mit dem Priester aus dem Gasthaus, und Johannes ging mit ihm in den Pfarrhof. Machen wir hier zunächst einmal halt, bevor wir vom Ausgang dieser Begegnung erfahren. Bei einem solchen Vier-Augen-Gespräch würde ich gerne ein Mäuschen sein. Was könnte sich hier abspielen? – Sicher ein Gespräch, das dem Priester den Ernst der Lage vor Augen führt. Er hat schließlich eine seelsorgliche Verantwortung. Viele Gemeindemitglieder nehmen Anstoß am Verhalten des Priesters. Viele nehmen ihn auf Dauer auch nicht mehr ernst. „Der sauft ja, was willst mit dem!“

Vielleicht hätte Roncalli dem Priester erzählen lassen, wie es ihm geht, was los sei. Vielleicht wären Hilfsangebote von Roncalli vorgeschlagen worden oder eine Therapie. Und was ist damals wirklich geschehen? Es wird nur in wenigen Worten berichtet: Johannes bot dem Priester einen Stuhl an und sagte: „Bruder, setz dich. Ich möchte nämlich bei dir beichten.“

Was mag in dem Priester in diesem Augenblick vorgegangen sein? Alles hat er erwartet, aber nicht das! Nicht sein Suchtproblem, nicht das öffentliche Ärgernis in der Gemeinde sind die Themen. Da setzt sich sein Vorgesetzter Seite an Seite neben ihn und bekennt seine eigenen Unzulänglichkeiten und seine Schuld. Da nimmt sein Vorgesetzter ihn in der Rolle ernst, die er eigentlich leben möchte und an die er fast nicht mehr glauben konnte, nämlich Seelsorger zu sein für die Menschen.

Angelo Roncalli, der spätere Johannes XXIII., hatte begriffen, was sein Gegenüber in diesem Augenblick am meisten brauchte. Ich denke, dass diese Begegnung etwas aufleuchten lässt von der etwas anderen Gerechtigkeit Jesu und seiner Barmherzigkeit, die nicht Vergangenes aufrechnet oder demütigt, sondern die aufbaut und ermutigt, die tatsächlich gesundmacht.

Auch von Jesus wird im heutigen Evangelium eine Begegnungsgeschichte kurz und knapp erzählt. Die Adressaten sind die oft selbstgerechten Frommen – damals wie heute. Auch Jesus sagt zum Zöllner Matthäus bloß: „Folge mir nach!“ In Sekundenbruchteilen muss da etwas Befreiendes passiert sein in Kopf und Herz des Matthäus. Endlich einer, der ihn nicht festnagelt auf seinen Beruf, bei dem er mit den verhassten Römern zusammenarbeitet und seinen Landsleuten das Geld aus der Tasche zieht – natürlich auch zu seinem eigenen Gewinn.

Aber, so können wir fragen, ist das Verhalten Jesu nicht doch ein bisschen blauäugig? Sicher, auch ein Sünder wie der Zöllner Matthäus kann sich ändern. Aber muss er nicht erst einmal ein paar gute Werke nachweisen und zeigen, dass er sich wie ein frommer Israelit verhält? „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, lautet ein altes Sprichwort.

Jeder weiß doch, wie viele mühsame Schritte es braucht, egal ob es ein straffällig Gewordener ist, der auf den rechten Weg zurückkehren, oder auch ein Suchtkranker, der von seiner Abhängigkeit loskommen will. Bewährungshelfer sind dabei wichtig. Ohne Kontrolle kommt es schnell zu einem Rückfall.

Ich denke, die Bewährungshelfer Jesus und Angelo Roncalli werden das auch gar nicht abstreiten. Aber sie zeigen, worauf es zuallererst ankommt: dass da jemand wieder an sich selber glauben kann, weil ein anderer ihm vertraut und an seine guten Möglichkeiten glaubt. Es sind oft nicht die großen Worte, sondern die einfachen Gesten und Zeichen, die helfen, dass Menschen ihre Selbstachtung wiedergewinnen und ungeahnte Fähigkeiten freisetzen für einen Neubeginn. Roncalli setzte sich auf einen Stuhl neben dem Priester; Jesus legte sich an einen Tisch mit Sündern.

Die Barmherzigkeit Jesu mit ihren unerwarteten Auswirkungen hat die Gerechten und Frommen seiner Zeit verstört. Verstört sie auch uns heute, mich? Ich mache die Nagelprobe. Ich stelle mir den unangenehmsten Zeitgenossen vor, den ich kenne, das schwärzeste Schaf der Verwandtschaft, die ungerechteste Mitarbeiterin, die… oder den… da fällt mir schon jemand ein.

Kann ich mir trotz allem „Wenn und Aber“ vorstellen, mit dieser Person an einem Tisch zu sitzen? Hätte ich den Mut, ein ehrliches Wort oder eine wohlwollende Geste zu riskieren? Vielleicht hat mein Gegenüber auf einen solchen Menschen schon lange gewartet, der nicht nach dem Motto handelt „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Vielleicht zeigt sich mein Gegenüber gar nicht so unverbesserlich, wenn er spürt: Da ist einer, der sich zu seinen eigenen Fehlern bekennt (wie Roncalli) oder der meinen guten Möglichkeiten traut (wie Jesus) frei nach dem Motto: „Kontrolle mag ja ganz gut sein, aber Vertrauen ist besser!“ Gesund lebt, wer diese Gerechtigkeit Jesu im Blick hat und sie lebt – heute und bis in Ewigkeit.

 

Fürbitten:

Menschliches Bemühen und Gesetze allein reichen nicht aus, um Gerechtigkeit herzustellen. Guter Gott, wir bitten dich:

  1. Um mehr Gerechtigkeit auf der Welt, bei der Verteilung der Macht, der Güter und des Reichtums.
  1. Um mehr Gerechtigkeit in der Politik, in der Wirtschaft und in der Arbeitswelt.
  1. Um mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und den Generationen, bei der Verteilung der Freuden und der Lasten.
  1. Um mehr Gerechtigkeit in der Kirche, den kirchlichen Einrichtungen und den Pfarrgemeinden.
  1. Um mehr Gerechtigkeit in meinem ganz persönlichen Leben, in meinen Urteilen und in meinem ganzen Verhalten.

Du, Herr, zeigst uns, wie unser Leben gelingen kann, in Christus unserem Bruder. Amen.

 

Meditation:

Gott, wo bist Du?
Siehst Du nicht die himmelschreienden Ungerechtigkeiten?
Warum fährst Du nicht drein mit einem Blitz? – – –

Weil ich nicht Zeus bin – sondern Jahwe!
Jesus ist mein Blitzlicht
Und mit dem Hl. Geist bin ich dreingefahren!
Mensch, wo bist Du?
Lenke Deine Schritte auf den Weg der Achtsamkeit.
Heile die Welt mit dem Herzen der Barmherzigkeit.
Durch Deine Wärme machst Du Dir alle, die Dir begegnen,
liebenswert und zärtlich.
Das Jahr der Barmherzigkeit ist nie vorbei!

Berufsbild Pfarrer im Wandel: Vom Hirten zum Manager


17 Pfarreien statt einer Dorfkirche: Wie sich die Arbeit eines Pfarrers in Südwestfalen verändert hat – und warum sie immer noch Freude macht.
Westfahlenpost >>

Katholische Kirche Meschede Bestwig

Aus dem Leben eines Dorfpfarrers

Ein wenig über Gott, viel über die Welt…

Von Krautfleckerl, dem „Runds-um-Dienst“ und einem Jubiläum – was PFarrer Dietmar Stipsits den Menschen gerade vor Ostern sagen möchte. Unjd warum der Beruf des Priesters nicht unbedingt ein Traumjob ist.

Prima-Monatszeitschrift vom März 2017

 

Ergebnisse der PGR-Wahl

Wahlergebnis der Pfarre Bernstein
Wahlergebnis der Pfarre Bad Tatzmannsdorf
Wahlergebnis der Pfarre Mariasdorf

Danke für ihre Wahlbeteiligung!

3. Fastensonntag: Gesund lebt, wer auf jede Art von Gewalt verzichtet

Fastenzeit 2017:
„Gesund lebt, wer Freude hat an der Weisung des Herrn.“
Mensch, wo bist du? Gott, wo bist du?

Jeden Sonntag hören wir eine Weisung, die uns gut tut, die uns gesund machen kann.

 

3. Fastensonntag:
Gesund lebt, wer auf jede Art von Gewalt verzichtet.

Einleitung

Im Psalm 1 hören wir:
Glücklich sind die Frau, der Mann, die nicht nach den Machenschaften der Mächtigen gehen, nicht auf dem Weg der Gottlosen stehen noch zwischen Gewissenlosen sitzen, sondern ihre Lust haben an der Weisung Gottes, diese Weisung murmeln Tag und Nacht. Wie Bäume werden sie sein – gepflanzt an Wasserläufen, die ihre Frucht bringen zu ihrer Zeit, und ihr Laub welkt nicht. Was immer sie anfangen, es führt zum Ziel. (Bibel in gerechter Sprache)

An den letzten Sonntagen haben wir vom „Klein sein dürfen und vom Loslassen gehört“ und diesem nachgespürt.

Diese erscheinen mir ebenso, wie die Botschaft von heute als eine Art Gegenmodell zu unserer heutigen Gesellschaft: Gewinn, Fehlerintoleranz und Besitz, Ellbogentechnik anwenden, um die eigenen Ziele zu erreichen, scheinen gängige Erfolgsmodelle zu sein.

Menschen, die hart gegenüber anderen sind, nur ihre Fehler sehen, um selber gut dazustehen, kennen wir alle. Das kennen wir auch von uns.

In der Nähe von Menschen, die mit Härte und Strenge gegen sich und Predigt von Pfarrer Dietmar D. Stipsits andere vorgehen, fühle ich mich aber nicht wohl.

Gewalt ist allgegenwärtig und nicht nur in Kriegssituationen am Fernsehbildschirm zu sehen. Gewalt begegnet uns in Worten, Bildern, sexistischen Witzen. Aber auch die Kirche ist nicht gewaltfrei, weil sie von Menschen „bewohnt“ ist.

Neid, Eifersucht, Hass und Gewalt können ein Herz, einen Menschen, ja sogar Beziehungen krank machen. Das Leben wird mit einem harten Herz nicht lebenswert.

Die Lesung aus dem Buch Exodus und Jesus selbst möchte uns ermutigen einen anderen, alternativen, christlichen Weg zu gehen. Einen Weg, der uns und unsere Gesellschaft gesund werden lässt!

Ja, auch in unserer Welt heute kannst du auf Gewalt verzichten. Dir ein weiches Herz bewahren, heißt nicht ein Weichei zu sein.

Ein weiches Herz bewahren heißt vielmehr: den Menschen, seine Absicht, seinen guten Willen, seinen Wert von Gott her zu sehen.

Auf alle Mittel und Methoden der Gewalt zu verzichten bewahrt ein weiches, ein sanftes Herz, das nicht unter der Härte zerspringt, sondern für die Schwachen schlägt.

Sein Herz frei zu halten von allem Schädlichen,  … nicht eifersüchtig oder neidisch zu sein, weder einer Feindschaft noch dem Hass noch der üblen Nachrede Raum bieten…

In der heutigen Eucharistiefeier möchten wir wieder der zentralen Frage nachgehen, wo wir selbst stehen und uns auf die Suche machen, wie wir auf jede Art von Gewalt verzichten können, um neu leben und neu lieben zu lernen.

 

Lesung vom Tag: Ex 17,3-7

Evangelium vom Tag: Joh 4, 5-42 (Jesus am Brunnen mit der samaritischen Frau)

Predigt von Pfarrer Dietmar D. Stipsits

Liebe ChristInnen!

„Gesund lebt, wer auf jede Art von Gewalt verzichtet.“ Der Bischof von Rom, Papst Franziskus hat zum Weltfriedenstag, also anlässlich des 01. Jänners 2017, in seiner Botschaft zu diesem Weltfriedenstag sehr treffend das Thema „Gewalt“ analysiert hat und meint, dass wir uns derzeit in einem „stückweisen Weltkrieg“ befinden. Er schreibt:

„Das vergangene Jahrhundert ist von zwei mörderischen Weltkriegen verwüstet worden und hat die Bedrohung eines Atomkriegs sowie eine große Anzahl weiterer Konflikte erlebt, während wir heute leider mit einem schrecklichen „stückweisen“ Weltkrieg zu tun haben.

In jedem Fall verursacht diese Gewalt, die „stückweise“ auf unterschiedliche Arten und verschiedenen Ebenen ausgeübt wird, unermessliche Leiden, um die wir sehr wohl wissen: Kriege in verschiedenen Ländern und Kontinenten; Terrorismus, Kriminalität und unvorhersehbare bewaffnete Übergriffe; Formen von Missbrauch, denen die Migranten und die Opfer des Menschenhandels ausgesetzt sind; Zerstörung der Umwelt. Und wozu das alles? Erlaubt die Gewalt, Ziele von dauerhaftem Wert zu erreichen? Löst nicht alles, was sie erlangt, letztlich nur Vergeltungsmaßnahmen und Spiralen tödlicher Konflikte aus, die allein für einige wenige „Herren des Krieges“ von Vorteil sind?“

Und Papst Franziskus meint dann: „Die Gewalt ist nicht die heilende Behandlung für unsere zerbröckelte Welt. Auf Gewalt mit Gewalt zu reagieren führt bestenfalls zu Zwangsmigrationen und ungeheuren Leiden, denn große Mengen an Ressourcen werden für militärische Zwecke bestimmt und den täglichen Bedürfnissen der Jugendlichen, der Familien in Not, der alten Menschen, der Kranken, der großen Mehrheit der Erdenbewohner entzogen.“

Was kann ich ganz konkret also tun, um diese Spirale der Gewalt zu beenden, die ich derzeit in unserer Welt, in unserem Europa, auch in unserem Österreich, ja selbst in unseren Pfarrgemeinden erleben und erleiden muss? Phil Bosmans, belgischer katholischer Ordensmann und Verfasser geistlicher Schriften, zeigt mir einen sehr guten Weg, wie ich auf jede Art von Gewalt verzichten kann. Er schreibt:

„Sei immer und überall ein Werkzeug des Friedens!
Bring Liebe, wo Hass ist; Freude, wo Kummer;
Hoffnung, wo Verzweiflung; Licht, wo Finsternis.
Was nützt alle Abrüstung, wenn wir uns nicht ändern,
wenn wir nicht in unserem Herzen Frieden machen
mit Gott und mit allen Mitmenschen.
Liebt einander: ehrlich und ohne Hintergedanken.
Das ist der einzige Weg zu wirklichem Frieden.
Es gibt keinen anderen.“

Phil Bosmans, Leben jeden Tag, Verlag Herder,
Freiburg im Breisgau 2008, Seite 141.

Gesund lebt, wer auf jede Art von Gewalt verzichtet – heute und morgen und bis in Ewigkeit.

 

Fürbitten:

Immer wieder sind wir vor Herausforderungen des Lebens gestellt, in denen wir, barmherziger Gott, deine Hilfe brauchen.

  1. Wenn wir emotional gefangen sind, schicke uns Menschen, die uns aus der Gewaltspirale unserer Gedanken herausführen.
    WIR BITTEN DICH…
  2. Wenn wir uns selber und unseren Mitmenschen gegenüber hart sind, schicke uns ein Wort, das uns berührt und „weich“ macht.
    WIR BITTEN DICH…
  3. Wenn in unserer Pfarrgemeinde harte Worte fallen, lass uns nicht hochmütig werden und schenke uns die Gnade der Versöhnung.
    WIR BITTEN DICH…
  4. Wenn wir neidisch und eifersüchtig sind, schenke uns die Einsicht, dass unser Leben ein Geschenk ist und ein erfülltes, gesundes Leben mit Neid und Eifersucht nicht vereinbar sind.
    WIR BITTEN DICH…
  5. Schenk uns den Willen, unsere Gesellschaft in Richtung Gewaltlosigkeit umzubauen und lass uns bei uns beginnen.
    WIR BITTEN DICH…

Denn du zeigst uns, wie unser Leben gelingen kann, durch Christus unseren Bruder. Amen.

 

Meditation:

Gewaltig Gott
War dein Auftritt
Mitunter
Nicht immer
leise und sanft
willst du zu mir
kommen
mich schütteln
aus der Bequemlichkeit
mich reißen
aus der Spirale
von Besserwissen und Neid
komm zu mir
leise und sanft
damit ich weich und Herz-ig
werde.

(Heike Bauer-Hoffmann)

2. Fastensonntag: Gesund lebt, wer loslassen kann

Fastenzeit 2017:
„Gesund lebt, wer Freude hat an der Weisung des Herrn.“
Mensch, wo bist du? Gott, wo bist du?

Jeden Sonntag hören wir eine Weisung, die uns gut tut, die uns gesund machen kann.

2. Fastensonntag:
Gesund lebt, wer in seiner Trauer seine Verluste loslassen kann.
Denn was du an Liebe verlierst, wirst du endgültig und umfassend in Gottes Liebe wiederfinden
.

Die heutige Lesung berichtet davon wie der Glaubensvater Abraham mit so einem Verlust umgeht. Er lässt alles hinter sich, seine Heimat, seine Verwandtschaft und seine Familie. Dafür gewinnt er einen unvorstellbar großen Segen von Gott, der ihm großes Vertrauen und große Hoffnung schenkt.

Wer aufbrechen will, muss loslassen können. Ich muss das (ver-) oder (zurück)lassen, das mich festhält, weil das, an dem ich gerne festhalte, wie z.B. Sicherheit, Geborgenheit oder Heimat, sehr oft zu einem Gefängnis wird. Erst durch das Loslassen, kann ich die neu geschenkte Freiheit erkennen und erleben.

Wollen wir deshalb von Abraham lernen, dass auch wir in den verschiedenen Lebenssituationen nicht immer perfekt funktionieren müssen, sondern auch mal loslassen dürfen oder etwas ziehen lassen müssen: Für den einen mag es die Veränderung einer unbefriedigenden beruflichen Situation sein, für den anderen kann es die Lösung aus einer Freundschaft oder familiären Situation sein, die nicht mehr trägt. Vielleicht ist es eine liebgewordene Gewohnheit, von der ich nicht lassen kann oder eine Meinung bzw. ein Vorurteil, das andere nicht leben lässt. Loslassen kann ich auch von einem falschen Bild von Gott, das mich in meiner Freiheit einschränkt und meine Person krank macht.

In der heutigen Eucharistiefeier möchten wir wieder der zentralen Frage nachgehen, wo wir selbst stehen und uns auf die Suche machen, wie wir loslassen können, um neu leben und neu lieben zu lernen.

 

Lesung: Gen 12 1-4a:

Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. Da zog Abram weg, wie der Herr ihm gesagt hatte, und mit ihm ging auch Lot.

 

Evangelium: Mt 13,44-46

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.

 

Predigt von Pfarrer Dietmar D. Stipsits

Liebe ChristInnen!

„Zieh weg aus deinem Land…“ (Gen 12,1), „lass los“, sagt Gott zu Abraham. Und dieser Abraham wagt es tatsächlich, Heimat und Vaterhaus zu verlassen, damit sich Neues ereignen kann. Der Gott des Alten Testaments ist ein Gott des Aufbruchs, ein Gott, der den Menschen weiterführt, aus der Selbstbezogenheit und aus dem Festhalten an das Bisherige, aus dem Gewohnten hin zu neuen Horizonten, zu neuem Leben. Auch bei der Berufung der Jünger durch Jesus wird das klar. Die Jünger verlassen auf Jesu Wort hin ihren bisherigen Beruf und folgen Jesus. Ganz Neues tut sich auf!

Loslassen – ein Thema, das sich in meinen Augen durch die gesamte Bibel hindurchzieht. Und immer wird das Loslassen verbunden mit einer Zusage: „Gott ist mir dir.“ Wer bereit ist loszulassen, der fällt nicht ins Bodenlose, sondern Gott begleitet ihn, Gott ist an seiner Seite, Gott ist (dir) treu.

Wo ist bei mir und in meinem Leben ein Loslassen notwendig und angesagt? Wie sieht es z. B. aus mit meinem eigenen Idealbild, mit dem Bild, das ich von mir selber habe? Überfordere ich mich womöglich nicht ständig? Meine ich, ein Super-Mensch zu sein, der alles kann und alles machen muss? Oder wie sieht es in meinem Beruf aus, ist da evt. ein Loslassen, eine Veränderung überfällig, weil es so nicht weitergehen kann, weil mir mein momentaner Beruf schlicht und einfach nicht guttut, sondern krankmacht?

Oder ein Blick in meine Ehe, in die Familie, in die Verwandtschaft oder in meinen Freundeskreis. Gibt es Beziehungen, in denen ich nur ausgenutzt werde oder Beziehungen, die mein Leben einfach nur blockieren? Oder wie sieht es mit meinen Kindern aus? Bin ich bereit, meine Kinder loszulassen? Jede Generation macht diese Erfahrung, dass sich die Kinder von ihren Eltern lösen und ihre eigenen Wege gehen. Bin ich bereit zum Loslassen? Sehr oft erlebe ich es, wie schwierig es Eltern fällt, ihre Kinder gehen zu lassen. Die Eltern verkraften es oft nicht, was doch ganz natürlich ist: Dass ihre Kinder groß und selbständig werden, ihre eigenen Wege suchen und gehen.

Loslassen hat für mich immer auch mit Angst zu tun. Wenn ich Altes und Gewohntes loslasse, dann kann das viel Unsicherheit in mir verursachen. Ich gebe es zu, dass ich ein Gewohnheitstier bin, und mir daher das Loslassen sehr schwer fällt. Die Bibel erzählt mir in vielen verschiedenen Geschichten, dass der, der es lernt, in seinem Leben immer wieder loszulassen, dass der nicht in ein Loch fällt, sondern dass sich ihm eine neue, gute Welt öffnet.

Die heutige Lesung über Abraham erzählt genau darüber: Wer es lernt, alte Pfade loszulassen, der nur wird sich weiterentwickeln, Neues erleben und dabei selber wachsen und reifen. Für mich stimmt daher der Satz: „Gesund lebt, wer loslassen kann!“, auch wenn das stets mit Anstrengungen und Entscheidungen fordernd und mitunter auch mit Schmerzen verbunden ist, z. B. wenn ich einen mir liebgewordenen Menschen loslassen muss, weil er gestorben ist. Ich vertraue in all diesen verschiedenen Situationen des Loslassens darauf – so wie es auch Abraham getan hat – dass Gott mir zusagt: „Ich bin mit dir, ich verlasse dich nicht, du kannst auf mich bauen, ich stehe dir bei.“

Gesund lebt, wer loslassen kann, weil Gott mir treu ist und mich trägt – gestern und heute und bis in Ewigkeit.

 

Fürbitten:

Guter Gott, Großes hast du einst unseren Glaubens-Vätern und Glaubens-Müttern angekündigt, du bist ihnen stets mit deinem Bund und deinem Segen zur Seite gestanden und hast schließlich alles in Jesus Christus vollendet. Wir wollen zu dir beten:

  • Schenke allen den Mut, wenn es nötig ist, neu aufzubrechen und sich von Dingen, Menschen oder Gewohnheiten zu lösen, die uns nicht gut tun und schenke uns die nötige Weisheit, uns richtig zu entscheiden.
  • Bestärke alle, die das Gefühl haben, in ihrem Leben an einem toten Punkt angekommen zu sein und lass sie wieder zur Mitte ihres Lebens zurückfinden.
  • Stärke die Kirche auf ihrem Weg zwischen Macht und Demut, damit sie den Menschen ein Wegweiser sein kann für alle, die sich aufmachen zu dir.
  • Vielen “Schätzen” laufen wir nach in unserem Leben. Hilf uns, den Schatz zu finden, der uns glücklich und gesund macht und den du für uns bestimmt hast.

Wie du einst Abraham auf seinem Weg ins gelobte Land begleitet hast, sei uns auch heute nahe auf unserem Lebensweg, jetzt und bis in Ewigkeit. AMEN.

 

Meditation:

Auf dein Wort hin

trotz
meiner Fragen
meiner Verzweiflung
meiner Einsamkeit
meinem Verlorensein
meiner Heimatlosigkeit
meiner Ohnmacht
meiner Kraftlosigkeit
meiner Ratlosigkeit
meiner Traurigkeit
meinen Dunkelheiten

hinausfahren
die Netze auswerfen
und
das Leben
an mich ziehen

(Andrea Schwarz)

ZdK-Präsident Sternberg dringt auf gemeinsames Abendmahl

„Noch keine wirkliche Kircheneinheit“

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, mahnt das gemeinsame Abendmahl von Protestanten und Katholiken an. Für die Ökumene sei „die gemeinsame Eucharistie der entscheidende Punkt“, sagte er.

Obwohl die Antwort in dieser Frage überfällig sei, „lässt eine große gemeinsame offizielle Erklärung, die für alle Gläubigen gelten muss, auf sich warten“, sagte der Vertreter der katholischen Laiengremien dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Auch im geplanten evangelisch-katholischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst am 11. März in Hildesheim zu 500 Jahren Reformation, in dem Sternberg Fürbitten spricht, wird es kein Abendmahl geben. Dennoch habe er die große Hoffnung, dass sich bald etwas bewege. „Und ich gehe fest davon aus, dass ich eine offizielle Erklärung zur gemeinsamen Eucharistie noch erleben werde“, sagte der 64-Jährige.

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1. Fastensonntag: Gesund lebt, wer klein sein darf

Fastenzeit 2017:
„Gesund lebt, wer Freude hat an der Weisung des Herrn.“
Mensch, wo bist du? Gott, wo bist du?

Jeden Sonntag hören wir eine Weisung, die uns gut tut, die uns gesund machen kann.

1. Fastensonntag:
Gesund lebt, wer auch klein sein darf.

Klein sein zu dürfen und nicht den Großen spielen zu müssen… zu sich und zu seinen Fehlern zu stehen… darauf zu vertrauen, dass Gott dich so annimmt und liebt, wie du bist…

Ja, du darfst klein sein, du darfst auch Fehler haben…

Es geht nicht um höchste Leistungsfähigkeit, um Störungsfreiheit der „Maschine Mensch“,

es geht nicht um höchste Funktionstüchtigkeit in jeder Hinsicht: ewige Schönheit und ewige Jugend.

Unser Lebensweg soll nicht ein ansteigender Pfad beständiger Selbstoptimierung sein, der uns permanente Überwachung und Regulierung abverlangt, um ein perfektes Leben ohne Fehler führen zu können.

Das Wesen-t-liche des Menschen entfaltet sich erst dort, wo er vom rivalisierenden Sich-steigern-müssen ablässt, und sich vom Zwang, besser als andere sein zu müssen, distanziert.

Das Wesen-t-liche entfaltet sich in Gelassenheit im Vertrauen auf Gott, in der Seelenruhe des Menschen:

  • die Gegenwart in Ruhe und Gottvertrauen leben zu können, sich Zeit dafür zu nehmen, seine Rollen im Privat- und Berufsleben zu reflektieren,
  • die Prioritäten seiner Lebensziele für sich zu definieren,
  • Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden – nicht nur in seinem Leben, sondern auch Toleranz anderen gegenüber, denen man leichtfertig Fehler, Unterlassungen, Oberflächlichkeit… vorwirft,
  • sich seinen Stärken und Bedürfnissen zu widmen und damit Zufriedenheit zu erleben.

Mensch sein zu dürfen aus der Tiefe des Ursprungs und des Zieles, welche beide in Gott liegen.

Im Wissen um unsere menschlichen Schwächen und im Glauben an Gottes umfassende Barmherzigkeit wollen wir im Kyrie Dein Göttliches Erbarmen herabrufen.

Kyrie

Lesung: Genesis 2, 7-9

Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.   Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.

Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?

Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.

Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben.

Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.

Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.

Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.

 

Evangelium: Mt 4, 1-11

Predigt von Pfarrer Dietmar D. Stipsits:

Liebe ChristInnen!

„Gesund lebt, wer auch klein sein darf“. Ein für mich im ersten Moment eigenartig klingender Satz. Eigenartig deshalb, weil ich den Eindruck habe, dass derzeit in unserer Gesellschaft vor allem der Mensch etwas zählt, der 100 % Leistung erbringt, der sich als perfekt und ohne Fehler darstellt. Ein Mensch zu sein, der Fehler hat und diese Fehler auch zugeben darf, das ist m. E. heute alles andere als alltäglich.

Ich glaube und erfahre es bei mir selber, dass es wohl eine der schwierigsten Aufgaben in meinem Leben ist, gut mit mir umzugehen, wenn ich Fehler gemacht habe, schuldig geworden bin, versagt habe. Aus der Bibel weiß ich natürlich, dass Gott den Menschen immer wieder vergibt, wenn sie gesündigt haben, aber trotzdem fällt es mir sehr schwer, mir selber zuzusprechen, dass Gott zu mir barmherzig ist, wenn ich einen überaus peinlichen Fehler gemacht habe, zudem wenn ihn andere Menschen mitbekommen haben.

Da geschieht es dann regelmäßig bei mir, dass ich mich selbst beschuldige, mich innerlich niedermache, wie unfähig und schwach ich bin. Oder ich zerbrech mir den Kopf darüber, wie dieser Fehler überhaupt geschehen konnte. Ich gehe dann oft die Situation gedanklich nochmals durch und kann nur den Kopf schütteln, dass mir das passieren konnte.

„Gesund lebt, wer auch klein sein darf.“ Das bedeutet für mich in diesem Fall, es geht nicht darum, dass ich meine Fehler vor mich und vor anderen entschuldige. Es geht nicht darum, dass ich stets mit einer weißen Weste vor den anderen dastehe. Das hilft mir nicht weiter. Nein, ich versuche dann vielmehr, meine Fehler Gott hinzuhalten, der mich auch in meiner Schuld, in meinem Kleinsein kennt und annimmt, mich nicht fallen lässt.

Mir nicht ständig mein Kleinsein, meine Fehler, meine Schuld, meine kleineren und größeren Unfähigkeiten vorhalten, mich dadurch nicht dauernd lähmen lassen, sondern mich meiner Schuld stellen, sie anschauen, sie zugeben und sie bearbeiten. Aber dann auch lernen, sie loszulassen, weil Gott mir vergeben hat. Und wenn Gott mir vergeben hat, dann muss ich auch mir selbst vergeben und darf mich nicht am Leben hindern, indem ich mir stets mein Kleinsein vorhalte und mich selber fertigmache.

„Gesund lebt, wer auch klein sein darf.“ Das ist für mich eine Einladung, trotz meines Kleinseins, trotz meiner Fehler das Wesentliche in mir zu entdecken: Was sind meine Lebensziele? Was ist mir wirklich wichtig und wieviel Zeit nehme ich mir dafür? Welche Stärken und Schwächen habe ich? Dabei meine Schwächen nicht verdrängen, aber nicht darin lebenslang stecken bleiben, sondern mir eingestehen, dass ich auch klein und schwach sein darf.

Gott will vor allem, dass ich meine Stärken und Fähigkeiten und auch meine Bedürfnisse entdecke und sie weiterentwickle, sie genieße und so gut mit mir selber umgehe. Das entspricht m. E. dem, was die Heilige Schrift mit barmherzig sein beschreibt. „Gesund lebt, wer barmherzig mit sich selbst umgeht, wer auch klein sein darf“. Möge mir Gott dazu Kraft schenken jeden Tag aufs Neue bis in Ewigkeit.

 

Fürbitten

Es liegt im Wesen des Menschen Fehler zu machen. Was wir als Fehler definieren, hängt mitunter auch von der Zeit und von unterschiedlichen Perspektiven ab.

  1. Viele von uns leiden auch in unseren christlichen Gemeinschaften darunter, mit ihren Bedürfnissen nicht verstanden zu werden.

Gütiger Vater, lass sie verständnisvollen Seelsorgern begegnen und lass auch die in der Kirchenleitung Tätigen auf Suchende zugehen.

Wir bitten Dich, erhöre uns.

  1. Oft fühlen wir uns durch Vorurteile gekränkt, oft aber tragen wir selbst durch oberflächliche Bemerkungen dazu bei, dass unser Gegenüber sich „klein“ fühlen muss.

Gütiger Vater, lass uns mit deiner Zuwendung jedem unserer Mitmenschen respektvoll begegnen.

Wir bitten Dich, erhöre uns.

  1. Mit unserem Wunsch, für unsere Kinder das Beste zu wollen, gehen wir häufig an deren wirklichen Bedürfnissen vorbei und neigen dazu, sie zu überfordern.

Gütiger Vater, gib uns die Gelassenheit, die Heranwachsenden zu begleiten und ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

Wir bitten Dich, erhöre uns.

  1. Im Zusammenleben in unserer Gesellschaft, aber auch in der Politik werden mitunter Erwartungen und Ziele nicht an geänderte Bedingungen angepasst.

Gütiger Vater, lass die Entscheidungen der Verantwortlichen von Flexibilität und Toleranz getragen sein.

Wir bitten Dich, erhöre uns.

Lasst uns mit Gottes Liebe und Güte diesen Zielen folgen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Meditation

Passion / Leiden

unter Intoleranz,
Vorurteilen,
Leistungsdruck,
Oberflächlichkeit,
Ignoranz,
Überheblichkeit,…

Herr, gib mir die Kraft,
die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
die Gelassenheit,
das Unabänderliche zu ertragen
und die Weisheit, zwischen diesen beiden
Dingen die rechte Unterscheidung zu treffen.